Die Neue Politische Theologie von Johann Baptist Metz bleibt aktuell.
Glaube ist nicht privat

Gott ist ein Thema der Menschheit oder gar kein Thema. So lautet ein Kernsatz des am 2. Dezember 91-jährig in Münster gestorbenen Theologen Johann Baptist Metz. Er galt als einer der prägendsten Theologen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Nicht zuletzt die Frage „Gott und das Leid“ trieb ihn bis zuletzt um.

Metz sei eine der „maßgeblichsten Stimmen des zeitgenössischen theologischen Denkens“ gewesen, schrieb die in Linz und zuvor in Graz lehrende Fundamentaltheologin Isabella Guanzini im „Osservatore Romano“. Als Gründer der „Neuen Politischen Theologie“ habe Metz den christlichen Glauben stets als wichtige Ressource für die Gesellschaft verstanden. Gegen die Tendenz einer Privatisierung des Christentums als Reaktion darauf, dass es zunehmend an den Rand gedrängt wird, habe Metz „sich stets bemüht, die öffentlichen, sozialen und prophetischen Wirkungen der christlichen Botschaft darzulegen“. Er habe, so Guanzini, dies aus einer festen Überzeugung heraus getan: Die Hoffnung und die Erlösung, die der Glaube verkündet, sind keine Privatangelegenheit, sondern gelten ausnahmslos allen.

Guanzini erinnert im „Osservatore“ speziell an das Ringen des früheren Münsteraner Fundamentaltheologen mit der Frage, wie man nach dem Grauen von Auschwitz noch von Gott sprechen könne. Der Holocaust habe die Theodizee-Frage (Warum lässt der gute Gott Leid zu?) noch einmal verschärft. Auch wenn diese Frage nie vollständig zu beantworten sei, dürfe sie nicht vergessen werden.

Mit „wahrer politischer Leidenschaft und intellektueller Aufrichtigkeit“ habe Johann Baptist Metz gezeigt: „Das Christentum kann immer noch eine Ressource für die plurale und säkulare Gegenwart sein, wenn es nicht auf seine Unversöhnlichkeit (mit den Kategorien der Welt) verzichtet.
Eine „Theologie des Protests und der Bewegung“ sei die Neue Politische Theologie von Metz stets gewesen, betonte der Metz-Schüler Jürgen Manemann in einem Kathpress-Interview. Manemann ist Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover.

Konkret dränge ein politisch-theologisches Denken etwa dazu, die Stimme angesichts der Klimakatastrophe zu erheben. „Wir müssen wieder neu von Metz lernen, dass nur eine apokalyptisch angeschärfte Theologie auf die Katastrophe reagieren kann.“ Ein apokalyptischer Blick auf die Welt angesichts der Klimakatastrophe bedeute etwa, „mit Tränen in den Augen, trauernd die Welt wahrzunehmen“ und nicht abzustumpfen oder gleichgültig zu werden. Es brauche einen neuen „Mut zur Trauer“, aus dem dann auch ein wirkliches Handeln erwachsen könne.
„Metz wusste im Blick auf unsere Gegenwart, dass es heute darauf ankommt, die erstarrte Gesellschaft durch den Einbruch der Existenz in Bewegung zu setzen.“ So müsse eine Theologie entfaltet werden, die dazu motiviere, „dass wir ‚anders‘ leben, damit andere überhaupt leben können“.

Würdigende Worte kamen auch aus Österreich, wo Metz unter anderem Ehrendoktor der Universität Wien und Träger des Theologischen Preises der Salzburger Hochschulwochen war. So resümiert der Dekan der Theologischen Fakultät Wien, Johann Pock: „Sein Projekt einer politischen Theologie ist aktueller denn je.“
kathpress / H. Messner

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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