Gott in der Bibel
Wie das Alte Testament Gott anspricht

Namen, Beinamen und Titel
Wie nennen Sie Gott? Naja, Gott eben! Oder auch Vater oder lieber Gott. Die Religionslehrerin spricht viel von Jesus, unserem Freund, der auch Gott ist, erzählt mir ein Volksschulkind. Und im Glaubensbekenntnis kommt auch noch der Heilige Geist vor, der Dritte im Bunde, ergänze ich in Gedanken. Herr, Schöpfer, Heiland, Retter und Fels oder Friedensfürst und König kennt man aus Gebeten und religiösen Liedern.
Die Bibel hat auch viele verschiedene Wörter, Namen, Beinamen und Titel für Gott. Einige der häufigsten Bezeichnungen aus dem Alten Testament sind hier auf dieser Seite dargestellt: in rosa Namen, in grün Beinamen und in grau Titel. Dabei steht immer ein Bibelvers, in dem diese Gottesbezeichnung vorkommt. Je größer geschrieben, desto häufiger kommt das Wort im Alten Testament vor. In der rechten Spalte finden Sie Näheres zu einigen Namen und Beinamen.
Wie auch immer Sie Gott ansprechen, wenn Sie zu ihm oder ihr beten – die Hoffnung, die die uns an Gott Glaubende verbindet, ist, dass er oder sie uns hört.

Meine Lieblings-BIBELSTELLE
„Mordechai ließ Ester erwidern: Glaub ja nicht, weil du im Königspalast lebst, könntest du dich als Einzige von allen Juden retten. […] Du aber und das Haus deines Vaters werden untergehen. Wer weiß, ob du nicht gerade dafür in dieser Zeit Königin geworden bist? (Est 4,14)
Es beginnt dieses Buch, wie sonst ein typisches Märchen der Gebrüder Grimm endet: Ein großer Herrscher verliebt sich in ein junges, schönes und kluges Mädchen „aus dem Volk“ und heiratet sie. Sie ist nun die Frau an der Seite eines Königs und lebt ein völlig anderes Leben als zuvor; in einem Palast, umgeben von Prunk, Bediensteten und Luxus.
Dass mit ihrer Stellung bei Hofe einerseits viele Privilegien, andererseits eine immense Verantwortung für andere einhergeht, ist für mich die Schlüsselstelle dieses Buches aus dem Ersten Testament. Esters Onkel Mordechai tritt an die junge Königin heran und warnt sie vor der Ausrottung, die ihrem Volk droht, sollte die Intrige des Beraters Haman aufgehen. Vor allem aber erinnert Mordechai seine Nichte an ihre Herkunft. Sie ist Jüdin und sollte sich bewusst sein, dass sie wohl die Einzige wäre, die diesen Pogrom überleben werde aufgrund ihrer königlichen Stellung. Er erkennt den „höheren“ Sinn, den diese Eheschließung für Ester und das jüdische Volk bringt. Nachdem sie drei Tage gefastet und gebetet hat, wird Ester ihrer Verantwortung als Königin gewahr und tritt selbstbewusst vor den König; wohl wissend, dass ein Fehler in ihrem Plan den sicheren Tod bedeuten könnte. Ihr Mut, der bestimmt aus dem Zorn auf Haman erwachsen ist, gepaart mit ihrer Angst zu versagen, ergibt für mich eine spannende Mischung. Ester ist für mich das Paradebeispiel einer Frau, die mit ihren Aufgaben gewachsen ist.

Manuela Grubelnig
Lehrerin für Katholische Religion und Ethik an der HTL Mistelbach/Niederösterreich

Namen für Gott
» Jahwe oder JHWH
Jahwe ist der Name des Gottes Israels. Der Name kommt im Alten Testament 6828-mal vor, und zwar in allen Schriften außer den Büchern Prediger, Hoheslied und Ester.
Die ursprüngliche Aussprache des Gottesnamens ist unklar. Er besteht aus den vier Konsonanten JHWH und wird deswegen Tetragramm (griech. „vier Buchstaben“) genannt. Aus Respekt vor der Heiligkeit dieses Namens wurde seine Aussprache im Judentum schon relativ früh gemieden, und deswegen hat man statt des Namen Gottes „Adonai“, also „(mein) Herr“ gelesen.

» Elohim
Elohim ist mit 2602 Belegen nach JHWH die häufigste Gottesbezeichnung im Alten Testament. Die Form heißt übersetzt zunächst einfach „Gott“ im Plural, also „Götter“. Auch die „fremden“ Götter (z. B. Dtn 6,14; Jos 24,15; 2Kön 18,35) werden als Elohim bezeichnet. An den meisten Stellen steht Elohim jedoch für den einen Gott JHWH. Offensichtlich hat man die Pluralform später einfach als Hoheits- oder Herrschaftsplural verstanden.

» Adonai
Adonai ist eine Anredeform in der Mehrzahl, heißt also übersetzt eigentlich „meine Herren“. Im Alten Testament kommt diese Form jedoch nur exklusiv für JHWH, den „Herrn“ als „Herrscher“ und „Gebieter“ über die Menschen, vor.
Da im jüdischen Gebrauch der Name Gottes aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen werden soll, beginnt man in der hellenistischen Zeit, den Gottesnamen beim Vorlesen aus der Schrift mit der Anrede Adonai zu ersetzen. Die Septuaginta (eine griechische Übersetzung des Alten Testaments) setzt diese Praxis voraus, wenn sie den Gottesnamen stets mit „kyrias“ („Herr“) wiedergibt.
In der 2016 erschienenen revidierten Einheitsübersetzung wird der Gottesname JHWH mit HERR übersetzt und durch die Schreibung in Großbuchstaben gekennzeichnet.

» El Schaddai
Die Langform El Schaddai ist im Alten Testament 7-mal, die Kurzform Schaddai 41-mal bezeugt. Die überwiegende Zahl der Belege versammelt das Buch Hiob (31-mal).
Die vielfältigen Übersetzungen von (El) Schaddai gehen auf Verständnisschwierigkeiten zurück, die man schon in der Antike mit der Gottesbezeichnung hatte. Die Septuaginta übersetzt u. a. mit „pantokrator“ („Allherrscher“), die Vulgata mit „omnipotens“ (omnis: alle; potens: fähig, könnend) was zur Ausbildung der christlichen Vorstellung vom „allmächtigen“ Gott beitrug. Auch in der Lutherbibel wird es übersetzt mit „Allmächtiger (Gott)“.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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