Kontrapunkte - Heilige
Mit zwei Heiligen im Gespräch

Allerheiligen steht vor der Tür. Aber was sind Heilige? Was machte sie besonders? Zwei als katholische Heilige verehrte Menschen erzählen von ihrem Leben, ihrer Herkunft und dem, was sie bewegt hat. Stellvertretend für viele: Antonius von Padua und Hildegard von Bingen:

Was sind Heilige?
Dazu eine kleine Geschichte: Eva kommt beim Spaziergang mit ihrer Mama an einer Kirche vorbei. Sie sieht nach oben und meint: „Mama, die Fenster sind ja ganz schmutzig!“ Die Mutter sagt nichts, sondern geht mit ihr in die Kirche hinein. Plötzlich sind die Fenster strahlend bunt. Da staunte Eva. Eines findet sie besonders schön. Menschen in bunten Kleidern sind zu sehen.
Sie fragt: „Mama, wer sind die?“ – „Das sind Heilige“, antwortet die Mutter. Im Religionsunterricht fragt die Lehrerin: „Weiß jemand von euch, was ein Heiliger ist?“ Großes Schweigen in der Klasse. Da springt Eva auf und sagt: „Heilige, das sind Menschen, durch die die Sonne scheint.“

»Heute bin ich ein Heiliger. Obwohl ich bestimmt nicht immer heilig lebte.«
Antonius von Padua(um 1195–1231)

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist Ferdinando, auf diesen Namen wurde ich jedenfalls getauft. Aber man nennt mich Antonius von Padua. Dabei wurde ich in Lissabon geboren. Meine Eltern waren reiche Adelsleute. Mir selber ist Gott aber wichtiger als Geld, und so wurde ich Priester. Die Bibel ist mir sehr wichtig, und ich predige gern. Irgendwann erkannte ich, dass ich anders leben will und bin dem Orden der Minderen Brüder beigetreten – besser bekannt als Franziskanerorden. So kam ich nach Italien. Unser Gründer, Franziskus, stammt ja von dort. Ich traf ihn sogar persönlich.
Heute bin ich ein Heiliger. Obwohl ich bestimmt nicht immer heilig gelebt habe. Aber so ist das mit dem Heilig-Werden – man wird es nach dem Tod, wenn das weniger Heilige verblasst und dafür alles, was im Leben heiligmäßig war, erstrahlt.

Das Jesuskind im Arm
Im Volksmund nennt man mich „Schlemper-Toni“, weil viele zu mir beten, die etwas verloren haben. Warum das so ist? Dazu gibt’s eine amüsante Geschichte: Einer unserer Novizen hat sich aus dem Staub gemacht und eines meiner Bücher mitgehen lassen. Ich habe solange gebetet, bis ihn das schlechte Gewissen überkam und er es wiederbrachte.
In Kirchen stehe ich auch oft herum. Ihr erkennt mich an der für Franziskaner üblichen braunen Kutte, und meistens halte ich das Jesuskind im Arm. Wie das geht, wo ich doch nicht gleichzeitig mit Jesus lebte? Ich hatte einen Traum – ich spürte, dass Jesus mir ganz nahe sein will, mir wurde ganz warm ums Herz, und als ich an mir herabschaute, lag das Jesuskind in meinem Arm. Oder war es kein Traum …?

»Ich war wohl einigen meiner Zeitgenossen unbequem.«
Hildegard von Bingen(um 1098–1179)

Als zehntes Kind meiner Eltern war ich von Beginn an Gott zugedacht. So kam ich schon mit acht Jahren ins Kloster zur Erziehung. Meine frühen Jahre waren geprägt von Krankheiten, doch das hielt meine Mitschwestern nicht ab, mich zu ihrer Vorsteherin zu wählen. Nach einigem Hin und Her mit unserem Abt entschloss ich mich, ein eigenes Kloster zu gründen, und so zogen meine Mitschwestern und ich auf den Rupertsberg in Bingen. Und so kennt man mich heute: als Hildegard von Bingen.
Mich interessierte einfach alles. Die Natur, der menschliche Körper, die Heilkunst und auch Literatur und Musik. Über all das habe ich mir Gedanken gemacht und es niedergeschrieben. Gott hat mich mit so vielerlei Gaben beschenkt. Auch das Predigen war mir ein Anliegen, und so reiste ich durch die deutschsprachigen Lande und teilte die Gnade mit den Menschen.

Jeder Mensch ein göttliches Kunstwerk
Wenn mir Untugend und Unmäßigkeit bei einem meiner Glaubensgenossen, besonders im Priesterstande, auffiel, war ich nicht mundfaul und ließ es diese deutlich wissen. Denn es kann nicht angehen, dass Kirchenmenschen mit ihrem Lebenswandel den Glauben verschleiern. So war ich wohl auch einigen meiner Zeitgenossen unbequem.
Zu mir kamen viele Menschen, um nach Rat zu fragen. Manche nannten mich auch Doktorin, doch der Einzige, der wirklich den Namen Arzt verdient, ist Christus! Das Grundübel des Menschen ist, dass er immer nur „Ich und Ich“ sagt, so als ob er sein eigener Gott sei. Die Lösung ist: reuig bei Gott um Vergebung bitten. Denn es ist eine Sünde gegen das göttliche Kunstwerk, das jeder Mensch ist.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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