Pfarrgemeinderat
Ein Gerüst mit einer Portion Glaube

Die Arbeit im Pfarrgemeinderat ist abwechslungsreich. Es gibt planerische und organisatorische Tätigkeiten. Zugleich braucht es Menschen, die anpacken.
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  • Die Arbeit im Pfarrgemeinderat ist abwechslungsreich. Es gibt planerische und organisatorische Tätigkeiten. Zugleich braucht es Menschen, die anpacken.
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Warum engagiere ich mich im Pfarrgemeinderat? Vier Menschen aus vier verschiedenen Regionen der Steiermark erzählen von ihrem freiwilligen Engagement in der Pfarre, von Herausforderungen und ihrer Motivation, im Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten.

Katharina Grager

Monika Müller (70), Pfarre Hönigsberg, Region Obersteiermark Ost, Religionslehrerin in Pension.

Seit wann engagieren Sie sich in Ihrer Pfarre und in welchen Bereichen?
Ich bin gebürtig aus Wien, habe aber seit über 30 Jahren einen Zweitwohnsitz in Hönigsberg. Durch meine persönliche Nähe zur Kirche und meine berufliche Kompetenz – ich war viele Jahre in der ReligionslehrerInnen-Ausbildung tätig – wurde ich bald gefragt, ob ich mich nicht ehrenamtlich in der Pfarre engagieren möchte. So begann ich zuerst mit dem Schreiben von Artikeln für das „Hönigsberger Pfarrblatt“ zu aktuellen Themen, dem Kirchenjahr oder auch von kleinen Serien zu den Sakramenten und zum Zukunftsbild der Diözese. Seit sieben Jahren bin ich nun auch Wortgottesfeier-Leiterin. Vor fünf Jahren wurde ich in den Pfarrgemeinderat berufen.

Haben Sie in Ihrem Engagement Schwierigkeiten oder Herausforderungen erlebt?
Die letzte Periode hat für den Pfarrgemeinderat in Hönigsberg einige große Herausforderungen mit sich gebracht. In diese Zeit fiel auch die Pensionierung unseres Pfarrers. Es fanden mehrere sehr konstruktive Gespräche aller PGR-Vorsitzenden des Pfarrverbandes mit dem Generalvikar statt. In diesen Gesprächen wurden unsere Anliegen gehört und ernst genommen, was schließlich zu einer guten Lösung für den Pfarrverband führte.
Auch in den Strukturprozess der Diözese hat sich unser Pfarrgemeinderat sehr engagiert eingebracht. Wir haben intensiv besprochen, unsere Vorschläge formuliert und sind zu vielen Sitzungen gefahren. Dabei habe ich auch gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, sowohl die Anliegen der eigenen Pfarre als auch die Vorstellungen anderer Pfarren unter einen Hut zu bekommen. Dieser arbeitsintensive Prozess ist in unserem Seelsorgeraum daher auch noch nicht abgeschlossen. In dieser Zeit war das Kennenlernen der Pfarrgemeinderäte aus den anderen Pfarren für mich sehr bereichernd. Die gemeinsame Aufgabe, die Sorge um die Zukunft der eigenen Pfarre und das redliche Bemühen um eine gute Zusammenarbeit im Pfarrverband habe ich als sehr spannend und lehrreich erlebt.

Was motiviert Sie?
Wissen Sie, ich bin jetzt 70 Jahre alt. Ich beziehe meine Energie noch immer aus dem II. Vatikanischen Konzil. Das ist jetzt auch schon wieder über 50 Jahre her, und vieles ist bis heute immer noch nicht umgesetzt. Geblieben ist ein Slogan in meinem Kopf: „Auftreten – nicht austreten.“ Gerade wenn ich mit Dingen unzufrieden bin, denke ich, dass ich die Verpflichtung habe, mich zu engagieren und nicht nur zu kritisieren. Wenn man gut arbeitet, gute Argumente hat und gut kommuniziert, kann man auch etwas bewegen. Und da ist gerade der PGR ein Gremium, wo man „auftreten“ und für die Pfarre etwas bewegen kann.

Hans–Jürgen Schröttner (33), Pfarre Ligist, Region Steiermark Mitte, Software-Entwickler und Landwirt.

Seit wann engagieren Sie sich in der Pfarre, und wie kam es dazu?
Im Grunde genommen seit meinem zehnten Lebensjahr. Zuerst als Ministrant, dann als Mesner und Firmhelfer. Ich habe von klein auf in der Pfarre mitgeholfen. Vor fünf Jahren bin ich dann zum PGR gekommen. Das war zwar eher unverhofft, aber ich habe zugesagt, dass ich beitrage, was ich kann.
Prägend für mich war unser Pfarrer Rupert Rechberger, den wir voriges Jahr leider zu Grabe tragen mussten. Er war mein Feuerwehrkamerad, und wir konnten, auch wenn wir mal zum Diskutieren und Streiten gekommen sind, danach wieder gut miteinander reden. Mein Vater ist außerdem seit 34 Jahren Vorbeter, und ich war schon als Kind oft mit.

Was waren Schwierigkeiten oder Herausforderungen in ihrer Zeit im PGR?
Das Schwierigste ist, die Brücke zu bauen zwischen Kirche und Bevölkerung, finde ich. Man ist in einer Vermittlerrolle. Zum Beispiel bin ich bei der Landjugend dabei. Die Pfarre kommt auf mich zu mit dem Wunsch, dass die Landjugend sich einbringt. Also rede ich mit den Leuten und motiviere sie, sich zu engagieren. Das ist nicht immer ganz einfach. Aber ich finde, die Kirche ist dazu da, dass man eine Gemeinschaft bildet und sich gegenseitig unterstützt. Glaube ist eine sehr persönliche Sache, aber in der Gemeinschaft geht es immer leichter, denke ich.

Was motiviert Sie?
Ich bin zur Zeit bei über 15 verschiedenen Vereinen, und zwei Dinge sind mir dabei wichtig: die Gemeinschaft und den Menschen Freude bereiten. Wenn ich zum Beispiel Musik mache, da kommen Leute, um uns zu sehen, und die strahlen dich an und haben eine Freude. Das versuche ich mit allem, was ich angreife. Und das gegenseitige Helfen habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Bei uns daheim ist die Tür immer offen. Ein sich ausbreitender Egoismus ist nicht gut für unsere Gesellschaft.

Gabriele Reichmann (68), Pfarre Wies, Region Südweststeiermark,Lehrerin in Pension.

Seit wann engagieren Sie sich pfarrlich?
In der Pfarre engagiere ich mich, seit das Pfarrblatt besteht. Es entstand in der Anfangszeit bei mir und meinem Mann in der Wohnung. Das ist jetzt mehr als 40 Jahre her. Dann ist mein Mann in den PGR gegangen, und ich habe beim Lektorendienst und Kirchenschmuck mitgeholfen. Die Zeit war sehr intensiv. Unsere Kinder waren klein, und mein Mann hatte mit der Kirchenrenovierung viel zu tun. Nach dem Tod meines Mannes brauchte ich eine Pause. Seit fünf Jahren bin ich wieder im Pfarrblatt-Team und Pfarrgemeinderätin. Seit meiner Pension habe ich keine Ausrede mehr. (lacht)
Die letzten fünf Jahre im PGR waren wirklich schön. Wir sind ein tolles Team. Schade, dass die letzte Zeit so von Corona geprägt war und wir nicht viel tun konnten. Aber eine Periode mache ich noch weiter.

Was motiviert Sie?
Was mich motiviert, ist nicht nur der Glaube – so tief heilig bin ich nicht (lacht) –, aber ich finde, die Kirche ist unser Kulturgut. Ich möchte, dass die Feste und Gebräuche unserer Kirche aufrecht erhalten werden – dafür arbeite ich und gebe auch Geld. Eine Portion Glaube gehört da natürlich auch dazu.

Bernadette Rojer (31), Pfarre Lassing, Region Ennstal und Ausseerland, Lehrerin und Mutter von zwei Kleinkindern.

Seit wann sind Sie in der Pfarre engagiert?
Ich stamme ursprünglich aus Oberösterreich und bin seit der letzten PGR-Wahl als stellvertretende geschäftsführende Vorsitzende, im Bereich Junge Kirche und im Pfarrblatt-Redaktionsteam aktiv. Und prinzipiell überall dort, wo man gebraucht wird. (lacht)

Was fanden Sie am herausforderndsten bei Ihrer Arbeit im Pfarrgemeinderat?
Es ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, wenn Personen aus unterschiedlichen Lebenslagen zusammenarbeiten. Das bereichert, braucht aber oft auch Diskussionen. Der PGR, in dem ich gestartet bin, war komplett neu aufgestellt. Das hat viele neue Ideen gebracht, es aber sicher auch schwerer gemacht, wenn es um Dinge ging, die über die Jahre gewachsen waren. Daher finde ich eine Mischung aus bestehenden und neuen PGR-Mitgliedern empfehlenswert.
Eine besonders herausfordernde Phase war auch die Zeit des Pfarrerwechsels. Da habe ich deutlich gespürt, dass der PGR das Gerüst ist, das alles stützt. Wir sind dann ein Stück weit in die Selbstständigkeit gestolpert, mit der wir inzwischen immer besser zurechtkommen.

Was motiviert Sie?
Ich glaube, das ehrenamtliche Gen hat man in sich. Ich gehöre sicher zu den Menschen, die nicht wegschauen können, wenn wo Arbeit ist und man sich für die Gemeinschaft einsetzen kann. Für die letzte PGR-Wahl wurde ich so gefragt: „Wenn dir die Pfarre nicht egal ist, dann komm in den PGR.“ Und als pflichtbewusste Person konnte ich dann schlecht Nein sagen (lacht). Ich bin in einer lebendigen Pfarre aufgewachsen und will, dass meine Kinder das auch erleben. Aber das funktioniert eben nur, wenn es auch Ehrenamtliche gibt. Da kann man nicht nur hoffen, dass andere das schon machen werden.

Pfarrgemeinderat online
Nähere Informationen rund um den Pfarrgemeinderat und die Wahl finden Sie im Internet unter www.pfarrgemeinderat.at und auch auf Facebook, Instagram und Twitter:
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Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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