Sterbehilfe
Die Würde am Lebensende

„Ich will sterben“ heißt nicht, „töte mich“, fasst die Ethikerin Susanne Kummer die Spannung zwischen Sterbewunsch und Sterbehilfe bei einer Tagung in Salzburg drastisch in Worte. Wie es mit dem Sterbehilfegesetz in Österreich weitergeht, berät derzeit der Verfassungsgerichtshof.
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  • „Ich will sterben“ heißt nicht, „töte mich“, fasst die Ethikerin Susanne Kummer die Spannung zwischen Sterbewunsch und Sterbehilfe bei einer Tagung in Salzburg drastisch in Worte. Wie es mit dem Sterbehilfegesetz in Österreich weitergeht, berät derzeit der Verfassungsgerichtshof.
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Über Sterbehilfe tagten Ethiker, Ärzte, Politik und Kirche in Salzburg. Wie Sterben heute gesehen wird und was wir von den Niederlanden lernen können.

Sterbehilfe in Österreich
Der Verfassungsgerichtshof vertagte die mit Spannung erwartete Entscheidung, ob das Verbot der Sterbehilfe in Österreich weiterbestehen soll. Die Beratungen werden vorraussichtlich ab 23. November fortgesetzt.

Der „Gegebenheitscharakter des Lebens“ gerät aus dem Blick, wenn Medizin den fälschlichen Eindruck erweckt, „alles planen und sogar das Ende bestimmen zu können“. Davor hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Beginn der Tagung „Modernes Sterben – Aufgaben und Grenzen der Medizin am Lebensende“ gewarnt.
Von 9. bis 10. Oktober trafen sich im Salzburger Congress auf Einladung des Salzburger Ärzteforums Mediziner, Ethiker, Vertreter von Politik, Kirche und Gesellschaft, um über das brisante Thema der aktiven Sterbehilfe und Suizidbeihilfe zu diskutieren. Dazu wird in den nächsten Wochen ein Spruch des Österreichischen Verfassungsgerichts erwartet.

Lackner: Palliativmedizin kann viel leisten
Das moderne Machbarkeitsdenken betrachte das Sterben nicht mehr als etwas Gegebenes, sondern dieses werde immer differenzierter gelenkt und kontrolliert, unterstrich Erzbischof Lackner in seinem Grußwort. Anfang und Ende des Lebens dürften hingegen „nicht rein innerweltlich abgehandelt werden – sie weisen in eine andere Wirklichkeit hinein“. Die Errungenschaften der Palliativmedizin, medizinische Hilfe und Pflege könnten bis zu dieser Grenze am Lebensende viel leisten, wies Lackner hin. „Ein Rest bleibt“, der dem Leben geschuldet sei, der zugleich auch eine letzte Ohnmacht berge.
Udo di Fabio, früherer Richter am Deutschen Bundesverfassungsgericht, ging in seinem Vortrag auf Verschiebungen im Verständnis von Menschenwürde und beim Menschenbild ein. Der Fortschritt der Medizin, die Angst des Menschen vor körperlichem Siechtum und davor, in Pflege „verwaltet“ zu werden, lasse Leiden nur mehr von außen – von Technik, Fortschritt und Medizin – beurteilbar erscheinen, konstatierte der Jurist. Di Fabios Plädoyer: Eine humane Gesellschaft „will nicht den raschen Tod, sondern vermehrt die Anstrengungen für Vorsorge und Begleitung“ des Kranken.

Vom Beispiel der Niederlande lernen
Der niederländische Gesundheitsethiker Theo Boer schilderte die Situation in seinem Heimatland, die von Kritikern oft mit dem Wort „Dammbruch“ umschrieben wird: Die Inanspruchnahme der Sterbehilfeoption steigt in den Niederlanden seit 2002 deutlich. Diese Entwicklung ließ Boer, der bei Einführung der Sterbehilfe noch Fürsprecher für die Gesetzesänderung war, kritisch werden, wie er sagte. Von den ca. 70.000 Fällen in den letzten 17 Jahren seien lediglich elf abgelehnt worden – das müsse nachdenklich stimmen.
Der Ethiker lehnt Sterbehilfe in ausweglosen Fällen nicht kategorisch ab, registriert aber einen Paradigmenwechsel in seiner Heimat: „Sterbehilfe wird immer mehr eine Option, um schreckliches Leben zu beenden, anstatt schreckliches Sterben zu verhindern.“
Die Geschäftsführerin des Ethikinstitutes IMABE, Susanne Kummer, plädierte dafür, wieder mehr Argumente der Solidarität mit Alten und kranken Menschen in die Debatte einfließen zu lassen. Es gehe darum, die Würde des ganzen Lebens und Menschen anstatt nur einer Momentaufnahme im Blick zu haben. Eine Sprache der Solidarität zu finden, hilft laut Kummer auch gegen die Sprachlosigkeit in Pflege und Medizin. „Ich will sterben heißt nicht, töte mich“, betonte die Ethikerin.

KATHPRESS

„Ich will sterben“ heißt nicht, „töte mich“, fasst die Ethikerin Susanne Kummer die Spannung zwischen Sterbewunsch und Sterbehilfe bei einer Tagung in Salzburg drastisch in Worte. Wie es mit dem Sterbehilfegesetz in Österreich weitergeht, berät derzeit der Verfassungsgerichtshof.
Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner unterstreicht die Errungenschaften und Leistungen der Palliativmedizin.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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