Welttag der Kranken
Am Krankenbett hilft ein Lied

Bei all ihrer Traurigkeit können betroffene Eltern von toten Kindern und das Personal Hoffnung spüren – auch beim Basteln von Segelbooten.
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„Der Nichts-Täter“, der mit den leeren Händen, ist ein Kranken-hausseelsorger für den Schweizer
Theophil Spoerri. Er ging am Krankenbett sparsam mit dem Gebet um.

Sein Vater, Jude und getaufter Christ, wurde 1943 in Rumänien umgebracht. So wuchs Theophil Spoerri bei seiner Mutter in der Schweiz auf. Er wurde reformierter Pfarrer. „Ich war von meinen seelsorgerlichen Fähigkeiten als Gemeindepfarrer sehr enttäuscht, bevor ich die ‚beratende Seelsorge‘ kennen lernte“, schreibt er in einem Bericht für das Sonntagsblatt. Er wurde Krankenhausseelsorger. Dabei leiteten ihn sechs Grundgedanken.
„Seelsorge als Anachronismus“ heißt für Spoerri, sie laufe „gegen den Trend der Zeit“. Ihre Begründung habe sie in dem, der „außerhalb der Zeit“ steht. Und das in einem „modernen, leistungsorientierten, effizienten und mit anderen Institutionen konkurrierenden Großspital“. Die Seelsorgerin solle zweitens „nicht primär als Agentin der Institution Kirche auftreten, für welche sie Werbung macht“. Wohl aber stelle drittens „der Patient den Seelsorger automatisch in den Kontext von Gott, Bibel, Kirche etc., wenn er sich als Seelsorger zu erkennen gibt“.
Als „unangekündigter Hausierer“ erscheine der Seelsorger viertens oft und könne der Patientin aus seinem „imaginären Bauchladen“ möglicherweise genau das anbieten, was sie im Moment benötige: „ein Gespräch oder stilles Dabeisitzen, einen humorvollen Zuspruch, ein Gebet oder ein Lied“. Ein Stück seiner Zeit und eine Beziehung biete er an.

Fünftens schildert Spoerri den Seelsorger als „Zeit-Haber“, als „Nichts-Täter“, als „Der mit den leeren Händen“. Im Spital stehen alle Mitarbeitenden gewöhnlich unter Stress und demonstrieren häufig, dass sie keine Zeit haben. Die Seelsorgerin soll dagegen signalisieren, dass sie Zeit verschenken kann. Jeder im Spital müsse etwas Erkennbares tun. Der Seelsorger hinterlasse keine sichtbare Spur, „aber vielleicht eine unsichtbare Spur im Gemüt seiner Gesprächspartner“. Während viele Mitarbeitende irgendwelche Zeichen ihrer Funktion herumtragen, „vom Stethoskop über Stöße von Akten bis zum Putzeimer“, erscheine der Seelsorger mit leeren Händen. Es seien untätige Hände, während die meisten mit ihren Händen arbeiten. Als Beziehungsperson soll sich die Seelsorgerin einbringen. Biblische und andere Verse des Trostes „soll sie auswendig zitieren“. Das französische Wort dafür, „par coeur“, heiße „aus dem Herzen“.

Spoerri bekennt sechstens: „Als Seelsorger bin ich sparsam mit dem Gebet am Krankenbett umgegangen.“ Der gebürtige Rumäne, der auch CDs mit sephardischen (jüdischen) Liedern aufgenommen hat, schlug dafür immer wieder vor, „anstelle eines Gebetes ein passendes Lied zu singen“. Sehr schnell habe er gespürt, „dass das gesungene Wort die Seele der Patienten viel direkter berührt als das Wort, welches den Umweg über den Verstand machen muss“. In bestimmten Situationen habe er aber als Gebet formuliert, was er als Not der kranken Person zu spüren meinte.

JOHANN A. BAUER

Ein Gasthaus der Gnade in entspannter Atmosphäre
Papst Franziskus verfasste auch zum 28. Welttag der Kranken am 11. Februar eine Botschaft. – Hier Auszüge.

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Diese Einladung Jesu geht am XXVIII. Welttag der Kranken an die Menschen, die erkrankt und bedrückt sind … Jesus erlegt denen, die aufgrund ihrer Situation der Zerbrechlichkeit, des Schmerzes und der Schwäche in Angst leben, keine Gesetze auf, sondern schenkt ihnen seine Barmherzigkeit, das heißt seinen persönlichen Beistand.
Im Krankheitsfall fühlt sich der Mensch nicht nur in seiner körperlichen Unversehrtheit gefährdet, sondern auch auf der Ebene seiner Beziehungen, in seiner intellektuellen, affektiven und spirituellen Dimension. Daher erwartet er eine über die Therapien hinausgehende Unterstützung, Fürsorge, Aufmerksamkeit … kurz gesagt, Liebe.
Liebe Brüder und Schwestern, in dieser Situation braucht ihr gewiss einen Platz, um Ruhe zu finden. Die Kirche will immer mehr und immer besser das „Gasthaus“ des barmherzigen Samariters sein, der Christus ist, das heißt das Haus, in dem ihr seine Gnade findet, die in einer familiären, gastfreundlichen und entspannten Atmosphäre erfahrbar wird. In diesem Haus könnt ihr Menschen begegnen, die, durch Gottes Barmherzigkeit von ihrer Gebrechlichkeit geheilt, euch helfen können, das Kreuz zu tragen, indem sie ihre eigenen Wunden zu Luken machen, durch die ihr über den Horizont der Krankheit hinausblicken könnt und durch die ihr Licht und Luft für euer Leben empfangt.
Liebe Brüder und Schwestern, die ihr im Gesundheitswesen tätig seid …, euer Handeln soll immer auf die Würde und das Leben der Person ausgerichtet sein, ohne Zugeständnisse an wie auch immer geartete Formen der Euthanasie, des assistierten Selbstmordes oder der Beendigung des Lebens, selbst wenn keine Aussicht auf Heilung der Krankheit besteht … In bestimmten Fällen ist für euch eine Weigerung aus Gewissensgründen notwendig …

Bei all ihrer Traurigkeit können betroffene Eltern von toten Kindern und das Personal Hoffnung spüren – auch beim Basteln von Segelbooten.
Theophil Spoerri – sein Bruder Daniel ist Künstler in Wien – wird Mitte Februar bei der Jahrestagung der Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorge in Graz sein.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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