Die Anfänge der Kirchenzeitung in Niederösterreich
Fern aller Parteipolitik

Das Team von „Kirche bunt“ heute mit Bischof Dr. Alois Schwarz (Bildmitte), Prälat KR Mag. Eduard Gruber (3. v. l.) und Chefredakteurin Sonja Planitzer (3. v. r.).
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  • Das Team von „Kirche bunt“ heute mit Bischof Dr. Alois Schwarz (Bildmitte), Prälat KR Mag. Eduard Gruber (3. v. l.) und Chefredakteurin Sonja Planitzer (3. v. r.).
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Mit dem Datum 1. Jänner 1946 erschien das ­„Kirchenblatt für die Diözese ­­­St. ­Pölten“ erstmals. Das sie als einzige Kirchenzeitung ­Österreichs ausschließlich in der sowjetischen Besatz­ungs­­zone redigiert, gedruckt und verbreitet wurde, galt es manigfaltige Schwierigkeiten zu überwinden.

Bereits zwei Wochen nach Kriegsende, am Pfingstmontag, dem 21. Mai 1945, ­veröffentlichte der damalige Bischof von St. Pölten, Michael Memelauer (1927 – 1945), ein Pastoralschreiben an den Klerus, in dem er den künftigen Kurs der Kirche als rein seelsorgliches Wirken fern aller Parteipolitik beschrieb. Am Nachmittag dieses Pfingstmontags lud er dann alle Pries­ter der Stadt St. Pölten zu einer Besprechung in das schwer beschädigte Bistumsgebäude ein. Der 70-jährige Bischof entwickelte ein ­umfassendes religiöses und kirchliches Aufbauprogramm, zu dem auch das Projekt einer Kirchenzeitung gehörte.

Diözesane Kirchenzeitung. Nach der Vollversammlung der Bischofskonferenz im Herbst 1945, wo sich die Bischöfe zugunsten diözesaner Kirchenzeitungen ausgesprochen hatten, legte Bischof Memelauer dem ­Konsistorium den Plan für die Gründung eines diözesanen Kirchenblattes vor und beauftragte den damaligen Ordinariatssekretär Franz Willinger mit der Redaktionsleitung. Ab Mitte November begann dieser mit den Vorarbeiten und holte Erkundigungen in anderen Diözesen ein, in denen das Projekt schon früher angegangen werden konnte, da es nicht unter den Einschränkungen der Besatzer verwirklicht werden musste.

Bundespräsident Kirchschläger informiert sich 1985 in Begleitung von Prl. Eichinger über die neue Drucktechnologie.
  • Bundespräsident Kirchschläger informiert sich 1985 in Begleitung von Prl. Eichinger über die neue Drucktechnologie.
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Erinnerungen an die Anfänge. Unter welchen Bedingungen solche Erkundungsfahrten stattfanden, schildert Chefredakteur Franz Willinger in seinen ­Aufzeichnungen: „Dezember 1945. Endlich hatte ich für eine Reise bis Innsbruck ein Permit der ­Be­satzungsmächte erhalten. Wollte ich doch wissen, welche kirchlichen Pressepläne man im Westen verfolgte. Die Heizung im Zug war eingefroren, die Fenster mit Brettern zugenagelt, der Wind pfiff durch die Fugen. Man drückte sich schützend in eine Ecke …“

Schon im ersten Jahr brachten junge Verteiler die Kirchenzeitung Woche für Woche verlässlich zu den Lesern.
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Zu den Problemen mit der Informations­beschaffung kam die Sorge um das benötigte Papier. Irgendwie gelang es doch, dass die erste Ausgabe in der Press­vereinsdruckerei in der Linzer Straße am 20. Dezember 1945 gedruckt und von dort auch zeitgerecht versandt werden konnte. Die 15.000 ­Exemplare der ersten Nummer waren sofort vergriffen. In wenigen Wochen schnellte die Auflage auf 45.000 hinauf. Nach den Jahren des Krieges und der NS-Herrschaft war der Hunger nach Lesestoff, auch nach religiösem, groß.

Zum Problem der Papierbeschaffung kam noch ein anderes: die Zensur. Hier hatte es die St. Pöltner Kirchenzeitung von allen ­diözesanen Blättern in Österreich am schwersten. Zwar erschienen auch die ­Wiener und die Eisenstädter Kirchenzeitung in der Zone, sie hatten aber den Vorteil, dass Redaktion und Druckerei in Wiener Bezirken mit west­allierten Besatzung lagen. Das befreite sie von der Zensur. Zum 10-jährigen Bestehen der Kirchenzeitung gehörten diese Probleme nach dem Abschluss des Staatsvertrages dann aber der Vergangenheit an.
Direktor Willinger leitete die St. Pöltner Kirchenzeitung bis zu seinem Tod im Jahr 1985. Ende der 1950er-Jahre wurde er zudem Obmann des Pressvereins und übernahm damit auch die Herausgeberschaft der NÖ Nachrichten. Unter seiner Ägide wurde in den 1970er-Jahren das NÖ Pressehaus errichtet, in dem „Kirche bunt“ seit 1976 ihre Redaktionsräumlichkeiten hat. In den fast 40 Jahren seines Wirkens baute Direktor Willinger „Kirche bunt“ zu einem Erfolgsprojekt aus. Wichtig war ihm dabei vor allem auch, dass die jeweils neues­ten technischen Möglichkeiten in Redaktion und Druck genutzt wurden.

Einen entscheidenden Einschnitt in der Herstellung brachte das Jahr 1960 mit der Einführung des Tiefdrucks: „Kirche bunt“ war eine der ersten Zeitungen Österreichs, in der farbige Seiten gedruckt wurden – diese Tatsache war einer der Hintergründe, warum die St. Pöltner Kirchenzeitung 1972 in „Kirche bunt“ umbenannt wurde.

1985 übernahm Prälat Mag. Josef ­Eichinger die Herausgeberschaft von ­„Kirche bunt“ und führte die St. Pöltner ­Kirchenzeitung gemeinsam mit dem Chef vom Dienst, Mag. Josef Wessely, durch ­herausfordernde Zeiten.

Immer wieder bemühte sich die Redaktion über die Jahrzehnte, neue Informationsquellen zu erschließen und vor allem auch die Leiden und Verfolgungen der ­Gläubigen in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang öffentlich bekannt zu machen. Viele Kontakte im Verborgenen gab es dazu vor allem in die Tschechoslowakei und nach Polen. Kontakte, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs intensiviert wurden. Das auch mit Hilfe von „Kirche bunt“-Leserinnen und Lesern, die so manches Geschenk-Abo für Gläubige in den ehemaligen Ostblock-Ländern ermöglichten. Manche dieser Geschenk-Abos bestehen bis heute.

Immer wurde auch mit den technischen Möglichkeiten der Zeit Schritt gehalten: 1991 hielten die Computer Einzug in den Redaktionsräumen von „Kirche bunt“. Immer schnellere und funktionsreichere Programme ermöglichen es, dass heute die gesamte Zeitung inklusive der Bilder druckfertig als „Datenpaket“ von der Redaktion an die Druckerei Walstead NÖ Druck im NÖ Pressehaus geliefert wird.

Prälat Eichinger leitete bis zu seinem Tod im Dezember 2015 die St. Pöltner ­Kirchenzeitung. Seine Nachfolge als ­Herausgeber übernahm Generalvikar ­Mag. Eduard Gruber. Als im April 2015 Mag. Josef ­Wessely als Chef vom Dienst in den Ruhestand trat, folgte ihm Sonja ­Planitzer als neue Leiterin der Redaktion.

Seit 2016 ist „Kirche bunt“ mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten. Sie ist in verschiedenen Sozialen ­Medien zu finden: Von Facebook, über Twitter bis hin zu Instagram und SnapChat. Seit heuer kann „Kirche bunt“ auch als E-Paper abonniert werden und ist – im Verband mit den österreichischen Kirchenzeitungen – als App downloadbar. „Auch wenn sich vieles über die Jahre verändert hat, unser Grundauftrag, wie ihn Bischof Memelauer 1946 in der ersten Ausgabe der St. Pöltner Kirchenzeitung formuliert hat, der bleibt bestehen“, sagt Chefredakteurin Sonja Planitzer.

Unter Bischof ­Michael ­Memelauer (1874 – 1961) ­wurde die St. Pöltner ­Kirchenzeitung gegründet. Das Leben des Bischofs, der die Diözese von 1927 bis zu seinem Tod 1961 leitete, wurde im heurigen Jahr verfilmt. Als einziger Bischof Österreichs hatte Memelauer das ­Eutha­nasie­­­programm der National­sozia­lis­ten öffentlich scharf kritisiert. In ­seiner Predigt in der Silvester­andacht vom 31. Dezember 1941 hatte der Bischof u. a. gesagt: „Du sollst nicht ­töten. Das ist das gewaltige, die Menschheit auf der ganzen Welt schützende Gottesgesetz. Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben.“ Die Kirche protestiere scharf und werde „niemals schweigen zur Beseitigung unwerten und unproduktiven Lebens und werde es immer als das bezeichnen, als was es bei allen Kulturvölkern angesehen wird“. Mit persönlichen Worten wandte sich Bischof Memelauer in der ersten Ausgabe des Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten mit Erscheinungsdatum 1. 1. 1946 an die Leserinnen und Leser: Ein Bote mit froher Kunde klopft an der Tür und bittet um Einlass: Das „Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten“. Mit großer Freude schreibe ich ihm ein empfehlendes Wort, gerne legitimiere ich es als Boten der Kirche und des Bischofs und mit doppelter Freude erteile ich ihm meinen bischöflichen Segen für seine Wanderschaft durch die Diözese. Was will das Kirchenblatt? Es will als wöchentlicher Bote der Kirche die Vater-unser-Bitte verwirklichen helfen: Zu uns komme dein Reich! Es will Glaubensüberzeugung wecken in den Herzen seiner Leser, es will Glaubensfreude wecken in den Herzen der Jugend, es will immer wieder zum Bewusstsein bringen, was für ein großes Gnadenglück es ist, ein katholischer Christ zu sein. Möge das Kirchenblatt in allen Häusern und in jeder Familie freudige Aufnahme und eifrige Leser finden! Möge es den gläubigen Seelen ein guter Freund, den Zweifelnden ein kluger Ratgeber, den Irrenden ein verlässlicher Ratgeber zum Glück des Glaubens werden!

Autor:

Kooperation Kirchenzeitungen aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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