Katholische Aktion
Seine Stimme bleibt

Josef (Pepo) Mautner.
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Engagiert ist und bleibt Josef Mautner. Ruhestand ist deshalb nicht ganz die richtige Bezeichnung für den Lebensabschnitt in dem sich der langjährige Mitarbeiter der Katholischen Aktion (KA) seit kurzem befindet. Mit dem Rupertusblatt spricht er über die neue Rolle und seine kirchliche Sozialisation, die nicht in der Familie stattgefunden hat.

Aufgewachsen ist Josef Mautner in Seekirchen. Die Eltern hatten mit Kirche nichts am Hut. Er geht trotzdem zum Ministrieren. Motiviert hat ihn ein Geistlicher aus dem Stift. „Er hatte den Ehrgeiz, Kirchenferne über ihre Kinder zu erreichen.“ Der Priester war es auch, der ihn ins erzbischöfliche Gymnasium Borromäum in die Stadt Salzburg brachte. Diese Zeit und später noch mehr das Theologiestudium sei stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt gewesen. „Wir erwarteten eine echte Reformbewegung. Unsere Vorstellung als Laientheologen war damals: Der Zölibat ist bald Vergangenheit, die Ämterfrage erledigt sich. Wir, Frauen und Männer, können, wenn wir wollen, das Priesteramt in der Kirche einnehmen.“ Diese Illusion habe sich zerschlagen. „Ich beendete das Studium wesentlich ernüchterter als ich es begonnen habe“, meint Mautner. Seine Lernerkenntnis dabei: Es gibt keine linearen Fortschrittskurven. „Das gilt für kirchliche wie für gesellschaftliche, soziale und politische Prozesse. Wir sind immer mit backlashes, also Rückschritten, konfrontiert.“ Doch neben Feldern, wo wenig bis nichts weitergegangen sei, gebe es jene mit erstaunlichen Entwicklungen. Er nennt das Sozialwort des ökumenischen Rates. „Das wäre früher so nicht vorstellbar gewesen.“

Insgesamt 40 Jahre in der Erzdiözese

Die neunzehnjährige Tätigkeit in der Katholischen Hochschulgemeinde bezeichnet der Theologe und Germanist als wichtigen Sozialisationsschub. „Die KHG war ein gesamtuniversitärer Treffpunkt.“ Ein nächs-ter Wendepunkt folgte 1999, einem Aufbruchsjahr. Die Zeit in der Katholischen Aktion und als Geschäftsführer von „Gemeinde und Arbeitswelt“ beginnt. In den stetig wachsenden Bereich fallen bis zu seinem Ausscheiden Katholische Frauen- und Männerbewegung, Betriebs- und Arbeitslosenseelsorge, das ABZ mit der Stadtteil:Kulturarbeit, die Antidiskriminierungsstelle und Aktion Leben.

Menschenrechte gehen alle an

Der 10. Dezember 1999, Tag der Internationalen Menschenrechte, ist schließlich die Geburtsstunde der Plattform für Menschenrechte. Mautner ist eine der bekanntesten und engagiertesten Persönlichkeiten im Netzwerk. „Betroffen sind nicht nur Flüchtlinge und Migranten. Menschenrechte gehen alle an“, ist er überzeugt. Zum 30-Jahr-Jubiläum im Vorjahr sagt er: „Wir könnten die Geschichte der Plattform natürlich in Erfolgskapiteln schreiben. Wir waren an wichtigen Projekten beteiligt oder haben sie angestoßen wie die Menschenrechtsbildung an Schulen, das Integrationsbüro und die Integrationsbeauftragte in der Stadt oder den Integrationsbeirat des Landes. Und: seit zwölf Jahren trägt Salzburg den Titel Menschenrechtsstadt.“ In der Praxis zeige sich hier ebenfalls, das lineare Fortschrittsdenken geht nicht auf. So sei die Lage Geflüchteter heute schwieriger als vor zehn Jahren. Die Antidiskriminierungsstelle habe mit Subventionskürzungen zu kämpfen. In der interkulturellen Begegnung hapere es bei der Verankerung im Alltag.

Ein anderes Beispiel seien die Erfahrungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Lehrplatzsuche. „Viele resignieren und sagen: Mir gibt eh keiner eine Chance.“ Gegengesteuert habe die Arbeitsgruppe „Vielfalt in der Lehre“, doch die könne nicht fortgeführt werden, „weil die Förderung fehlt“.

Intensive Monate zum Abschied

Die ersten Monate der Coronapandemie waren für Mautner sehr intensiv. Die Plattform und Katholische Aktion richteten einen Solidaritätsfonds für schnelle Nothilfe ein. Das habe ihm noch einmal die Augen geöffnet für verletzliche Gruppen wie Alleinerzieherinnen, Beschäftigte in der Gastronomie oder Frauen, die putzen gehen und nur teilweise angemeldet sind. „Die Menschen hatten kein Geld zum Einkaufen oder für den Strom.“ Die Lage werde sich noch verschärfen, je länger Leute arbeitslos seien. „In Österreich ist es leider nicht gelungen, die Nettoersatzrate zu erhöhen. Wer vorher mit seinem schlecht bezahlten Job kaum über die Runden kam, hat jetzt nur mehr 55 Prozent.“Seit Juli ist er aus dem operativen Geschehen weg. „Anfangs war es eine Vollbremsung. Mittlerweile habe ich mich umgestellt. Ich bin nun in einer anderen Rolle aktiv.“

Für die Zukunft seiner KA und der Kirche insgesamt wünscht sich Josef Mautner, dass es für soziale und politische Themen weiter Ressourcen gibt – auch in Einsparungszeiten.

Zuletzt war Mautner mit einem Buchprojekt beschäftigt, der Nachbearbeitung einer Tagung von Katholischer Aktion und Theologischer Fakultät: „Perspektiven für eine lebenswerte Gesellschaft“. Wobei kein reiner Tagungsband herausgekommen ist. Die Autorinnen und Autoren gehen bei Themen wie Digitalisierung, Pflege, Armut, Flucht, Umwelt und Nachhaltigkeit auf die aktuelle Coronaherausforderung ein. Das Buch ist ein Denkanstoß für Menschen, die christlich motiviert die Welt von heute gestalten möchten.

Buchtipp: Simon Ebner, Alois Halbmayr, Josef P. Mautner (Hg.): Perspektiven für eine lebenswerte Gesellschaft. Zum Beitrag des Christlichen vor Ort. Tyrolia Verlag, Innsbruck, Wien 2020, 230 S., ISBN 978-3-7022-3900-8.Erscheinen wird das Buch erst 2021, aber für den Raum Salzburg kommt es noch vor Weihnachten in den Handel.

Josef (Pepo) Mautner.
Das Haus der Katholischen Aktion war lange Josef Mautners Arbeitsstätte. Jetzt tritt er in  „anderer Rolle“ durch das Tor.
Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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