Kardinal Kurt Koch
Das Leiden an der Trennung hilft

Die christlichen Kirchen können in der jetzigen Zeit des Säkularismus nur gemeinsam wieder eine gesamtgesellschaftliche europäische Größe werden, betont Kardinal Koch.
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Hoher Besuch aus dem Vatikan. Kurt Koch, Kurienkardinal und Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hielt auf Einladung der Stiftung Pro Oriente Salzburg einen Festvortrag. Danach nahm er sich Zeit für ein Gespräch mit dem Rupertusblatt.

Rupertusblatt: Ihre Aufgabe ist die Förderung der Einheit aller Christen. Was beschäftigt Sie am meisten im Ringen um diese Einheit?
Kardinal Kurt Koch: Es sind sehr viele verschiedene Dialoge. Am meisten beschäftigt mich, dass einige, vielleicht die Mehrheit der Christen, unter der Spaltung der Kirchen gar nicht mehr leidet. Wir werden die Einheit aber nur wiedergewinnen, wenn wir unter der Trennung leiden. Denn daraus kann wirklicher Wille zur Überwindung der Spaltung wachsen.

RB: Wie erleben Sie die gegenwärtige Corona-Krise?
Kardinal Kurt Koch: Wir werden an die Grenzen unseres Menschseins geführt. Die Erfahrung, dass wir nicht alles in der Hand haben, setzt uns zu. Das Entscheidende dieser Krise ist unsichtbar: Wir haben es mit einem unsichtbaren Virus zu tun, der alles dominiert. Vielleicht lernen wir aber daraus, dass auch das Positive, das was Leben gelingen lässt oft unsichtbar ist. Eine Wahrnehmungsschule vielleicht.

RB: Was hilft in Zeiten wie diesen?
Kardinal Kurt Koch: Wir sitzen alle im selben Boot. Keiner ist eine Insel oder sein eigener König. Mich beeindruckt, wie Menschen einander helfen: Die Ärzte, im Pflegebereich, aber auch Nachbarn untereinander. Vielleicht entsteht eine neue Dankbarkeit von uns Menschen füreinander. Mein Glaube schenkt mir immer wieder die Hoffnung, dass wir alles Schwere überstehen können. Wir leiden in dieser Welt, der Tod steht uns vor Augen. Aber des letzte Wort hat Gott und das heißt Leben bei ihm.

David Pernkopf

Auszüge aus dem Vortrag von Kardinal Koch
„Das ökumenische Bemühen um die Wiederherstellung der Einheit der Kirche ist unteilbar. Grundsätzlich müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Überwindung der Spaltungen im Orient und zwischen Ost und West legen. Daran erinnert uns auch das Jubiläumfest von Pro Oriente hier in Salzburg. Ein weiterer Punkt unserer Dialogbemühung ist dort zu sehen, was Papst Benedikt XVI. gesagt hat: Unter den christlichen Kirchen steht uns ohne Zweifel die Orthodoxie am nächsten.“

„Die katholische Kirche und die Orthodoxie sehen die kirchliche Einheit durch die Eucharistie und das Bischofsamt, das seinen Ursprung in der apostolischen Nachfolge hat, konstitutiv verwirklicht. Hier liegt auch der theologische Grund, warum die katholische Kirche die Kirchen des Ostens als echte Teilkirchen anerkennt, selbst wenn diese nicht in verbindlicher Einheit mit dem Bischof von Rom leben.“

„Es gilt von den Stärken des anderen zu lernen. Die Stärke der orthodoxen Kirchen ist ihre Synodalität, weshalb Papst Franziskus immer wieder betont, die katholische Kirche habe hier die Möglichkeit etwas mehr über die bischöfliche Kollegialität und ihre Erfahrung, mit Synodalität zu lernen. Auf der anderen Seite wird man im Ökumenischen Dialog lernen, dass ein Primat (Vorrangstellung eines Bischofs, wie die des Papstes) auf der universalen Ebene der Weltkirche notwendig ist. Deutlich zeigt sich der Unterschied im theologischen Verständnis des Gottesdienstes. Im Westen liegt der Akzent auf der Versammlung der eucharistischen Gemeinde und der Frage nach ihrer Gestaltung. Im ostkirchlichen Verständnis ist Eucharistie sehr viel mehr als diese Zusammenkunft. Sie wird in die Weite des Kosmos und der Schöpfung hineingefeiert. Dieses Beispiel zeigt, dass eine gegenseitige Lernbereitschaft notwendig ist, damit wir auf dem Weg zur ungeteilten Kirche in Ost und West vorankommen.“

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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