Christsein
„Trauen wir uns Weltdeutung zu“

Was Zukunft schafft: Verbundenheit, Sinn und Schönheit sind für den Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl der Weg, der in einen neuen Garten Eden auf Erden führt.
  • Was Zukunft schafft: Verbundenheit, Sinn und Schönheit sind für den Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl der Weg, der in einen neuen Garten Eden auf Erden führt.
  • Foto: Foto: RB/Hartl
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Im Interview mit dem Rupertusblatt erklärt der Theologe Johannes Hartl, dass ihn die negative Sicht auf das Leben angetrieben habe sein neues Buch „Eden Culture“ über die „Ökologie des Herzens“ und die Zukunft zu schreiben. 

von David Pernkopf

RB: Wieder ein Zukunftsbuch. Was machen Sie anders als die bekannten Trend- und Zukunftsforscher?
Hartl: Mich beschäftigt die Frage, wie wir leben wollen? Diese Frage ist eng mit der Frage verknüpft: Wer wir sind? Wir wissen zwar wogegen wir sind, aber haben keine Vision davon, wofür wir sind. Wir wissen zwar, dass wir keine Klimaerwärmung wollen, eine ganzheitliche Vision für unser Menschsein haben wir nicht. Dabei es gilt den Raum des Herzens genau so zu schützen, wie die Umwelt. Ich versuche von der alten Geschichte vom Garten Eden ein Bild eines gelungenen Lebens zu zeichnen.

RB: Eine zornige und feurige Hoffnung sei das Buch, heißt es im Vorwort.
Hartl: Ich schreibe hoffnungsorientiert. Aber: Das Buch ist ganz klar eine Absage an Trends unserer Zeit gegen die man mit Argumenten ins Feld ziehen sollte, weil sie den Grund unseres Menschseins angreifen.

RB: Welche davon bedrohen den Kern des Menschseins am meisten?
Hartl: Es ist wohl der Glaube, dass der Mensch sich selber macht und beliebig neu definieren kann. Das ist in seinem Kern antihumanistisch. Ein zweites: Der zynische Glaube, dass es das Wahre, Schöne und Gute letztlich nicht geben kann. Und: Die Verzweckung und Verdinglichung aller Aspekte unseres Lebens. Digitalisierung und und Beschleunigung sind keine negativen Trends. Aber sie bringen Probleme mit sich, die es anzuschauen gilt.

RB: Ein Stichwortgeber Ihres Buches ist ja der Soziologe Hartmut Rosa mit seiner Idee von der Welt als gelungenem Resonanzraum von Beziehungen.
Hartl: Rosa versucht entgegen aller anderen Soziologen, die Welt und den Menschen ganzheitlich zu sehen. Nicht nur zu beschreiben und schließlich festzustellen: So ist das halt. Wenn wir von einem gelingenden Leben sprechen, müssen wir die Frage nach dem Ganzen, Guten, Wahren und Schönen stellen. Gerade als Christen dürfen wir uns eine Weltdeutung zutrauen.

RB: „Die Zukunft wird denen gehören, die Sinn erkennen und vermitteln können“, Eine gewagte Aussage. Wie kann sich Sinn durchsetzen?
Hartl: Menschen tendieren zu Sinn und Wahrheit. Langfristig setzt sich Sinn immer durch. Aufgrund der großen Menge an Angeboten, Informationen und Reizüberflutungen fällt es uns aber schwer, sinn- und wahrheitsorientiert zu denken. Diese Fähigkeit kommt uns abhanden. Deshalb müssen wir in diesem Informations-Chaos den Menschen helfen. Das Motto lautet: Bücher statt Medien, Argumente anstatt Meinung, hinein in die Debatte anstatt sich in die eigene Blase zurückzuziehen. Erst wenn wir uns auf die Debatte einlassen, finden wir Selbstvertrauen. Den Garten Eden gilt es wieder zu bauen, anstatt dahin zurückzuflüchten.

RB: Kann Kirche Sinn geben?
Hartl: Wenn sie sprachfähig, den Menschen zugewandt ist und handelt, dann auf jeden Fall. Denn sie verfügt ja über Werte, die über sie hinausragen und den Sinn des Lebens erkennen lassen. Die Frage ist, ob sie den Menschen von heute, der auf der Suche nach Sinn ist, versteht. Jeder Mensch folgt unbewusst oder bewusst, objektiven Sinnwerten. Der erste Schritt ist Menschen zu ermächtigen, damit sie klären können, was ihre Sinnnorientierung ist. Dann können wir Gläubige unser Angebot strahlen lassen. Ich merke, dass vor allem Nichtgläubige und nichtkirchliche Menschen sich mit mir und meiner Arbeit auseinander setzen.

Buchtipp: Johannes Hartl: Eden Culture: Ökologie des Herzens für ein neues Morgen, Herder Verlag 2021, ISBN-13: 978-3451033087.

Zur Person

Johannes Hartl ist Philosoph, Theologe, Speaker und Gründer. Im Internet erreichen seine Vorträge zu den Themen Sinn, Verbundenheit und Glaube Hunderttausende Menschen. Er verbindet sie quer über Konfessionen. Der promovierte katholische Theologe wurde 1979 geboren und studierte auch Germanistik und Philosophie, bevor er 2005 zusammen mit seiner Frau das Gebetshaus Augsburg gründete.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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