Blick in die Zukunft
Stirbt die Kirchenpresse?

Peter Plaikner kennt die Szene. Er ist Medien-Experte und spricht vor dem Mikrofon über die Chancen kirchlicher Medien. Seine Wein-Wahl: Französischer Bordeaux.�
  • Peter Plaikner kennt die Szene. Er ist Medien-Experte und spricht vor dem Mikrofon über die Chancen kirchlicher Medien. Seine Wein-Wahl: Französischer Bordeaux.
  • Foto: RB/M. Hessenberger
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In der neuesten Folge des Podcasts „Auf Brot und Wein“ spricht Medien-Experte Peter Plaikner über die Zukunft der Kirchenzeitungen – und über dringend notwendige Veränderungen.

von Michaela Hessenberger

„Wenn wir die Kirchenpresse als Journalismus auf Papier betrachten, dann könnte der Tod drohen“, sagt Peter Plaikner vor dem Podcast-Mikrofon der Erzdiözese Salzburg. Den Kirchenzeitungen gehe es wie anderen Printprodukten auch: Abonnenten schwinden, Auflagen sinken. Und das weltweit. Doch der gebürtige Tiroler gibt auch Grund zur Hoffnung: „Wenn wir Kirchenpresse als Kirchenmedium begreifen und als Trägerin von Journalismus, dann ist sie keinesfalls tot.“ Dann bleibe nämlich lediglich die Frage, wie sehr die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen bereit seien, die technologisch getriebenen Veränderungen mitzutragen.

Will heißen: Es geht in Zukunft noch stärker in Richtung digitale Welt – auch für die Kirche. Ältere Leserinnen und Leser werden laut Plaikner weiter beim gewohnten und geschätzten Papier bleiben; junge Leute hingegen seien ganz andere Abläufe gewohnt. Sie gelte es nun zu beobachten und mit einer guten Strategie medial abzuholen.

Gute Inhalte sind ihr Geld wert Außerdem spricht Plaikner einen wichtigen Auftrag für Qualitätsmedien (zu denen freilich auch die Kirchenzeitungen gehören) an: „Wir werden wegkommen müssen vom Quoten-, Reichweiten- und Marktanteile-Denken. Wir werden wieder wesentlich mehr in Richtung Qualität statt Quote operieren müssen.“ Relevanz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen seien unerlässlich. „Vertrauen war und ist die gesellschaftliche Gemeinschaftswährung“, sagt der Medien-Profi. Sie sei vielleicht knapp geworden; nun gelte es, ihren Wert wiederzuentdecken.
Apropos Wert: Guter Journalismus kostet Geld, auch im Netz. Tatsache ist, dass digitale Angebote hierzulande noch kein wirklich gutes Geschäftsmodell gefunden haben. „Eine Tageszeitung nach der anderen errichtet Paywalls, also Bezahlschranken.“ Auch Kirchenzeitungen gehen diesen Weg und bieten ihre Inhalte im Internet an. Den Podcast mit Peter Plaikner gibt‘s jedenfalls kostenlos zu hören.

Tipp: Den Podcast „Auf Brot und Wein“ der Erzdiözese Salzburg können Sie gratis auf www.eds.at, Spotify oder iTunes anhören. Sie finden ihn, wenn Sie die Kamera Ihres Smartphones über den Code oben halten.

Entweder-Oder mit Peter Plaikner

Am Sonntag ausschlafen oder in die Kirche gehen? – Weder noch.

Spaß oder Maß? – (lacht) Ich bin maßlos.

Wissen oder glauben? – Wissen.

Gemeinsam oder allein? – Je nach Situation.

Hören oder lesen – Lesen.

Bildschirm oder Papier? – Papier.

Twitter oder Facebook? – Twitter.

Interviewen oder interviewt werden? – (seufzt). Das ist die schwierigste Frage überhaupt. Den schreibenden Journalismus hab‘ ich als enorme Befriedigung und enorme Qual empfunden. Man ist nie zufrieden mit dem Text. Insofern: interviewt werden.

Peter Plaikner ist Journalist, Kolumnist, Medienberater, Kommunikationsstratege und Experte für politische Kommunikation. Er kennt Österreichs Medienlandschaft – auch die der Kirche.

Autor:

Ingrid Burgstaller aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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