Wort zum Sonntag
Veränderung zulassen

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Mit Bewunderung verfolge ich das Verhandlungsgeschick der namenlosen Frau im heutigen Evangelium. Sie, die ausländische Frau, die Heidin, hat offensichtlich von Jesus gehört. Sie spricht ihn nämlich als Sohn Davids an und sie ist überzeugt, dass er ihr helfen kann. Beharrlich und mutig treibt sie ihr Anliegen voran und setzt Jesu ablehnender Haltung immer wieder ein Argument entgegen. Angelpunkt ist dabei die Wendung: ja, aber. Ja, du hast recht, aber – das kann alles durcheinanderbringen. Kinder können mit ihrem „ja, aber“ gehörig nerven und oft die besten Erziehungsabsichten zu Fall bringen. In Verhandlungen kann ein „Ja, schon, aber …“ ungeahnte Verzögerungen nach sich ziehen. Die namenlose Frau benutzt diese Wendung geschickt. Sie achtet die vorgegebene Grenze „Ja, Herr“ und lässt mit dem folgenden „aber“ doch nicht von ihrem Anliegen ab. Weder Jesu Schweigen noch seine brüske Zurückweisung noch seine Beleidigung lassen sie aufgeben. Ihr hartnäckiger Glaube, dass Heil auch für sie bzw. ihre Tochter möglich ist, auch wenn sie kein Recht darauf hat, ist durch nichts zu erschüttern.
Und Jesus? Jesus wird in dieser Szene dargestellt als ein Mensch, der einen inneren Plan verfolgt, den er nur schwer aufgeben kann: er als Jude ist für seine Leute zuständig, ihnen will er die Idee des Gottesreiches näherbringen, nicht den anderen, den Heiden. Dieser Plan wird durch eine Ausländerin letztlich durchkreuzt. Durch den Glauben der Frau lernt Jesus, diese Grenze – hier die einen, dort die anderen – zu überwinden. Beeindruckt stellt er am Schluss des Disputes fest: Dein Glaube ist groß, Frau!

Zum Weiterdenken
Beharrlichkeit, Verhandlungsgeschick und ein tiefer Glaube sowie Offenheit für Argumente und das Zulassen von Veränderung ermöglichen einen Neubeginn. Beide Herangehensweisen sind lehrreich.

Maria Eichinger ist Ausbildungsleiterin für Theologiestudierende der Diözese Linz.
Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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