Filmstart in Österreich: 21.8.
„Jeder von uns ist Christus“

Verstörend schön, spannend wie ein Thriller und gewohnte Sichtweisen aufbrechend: das ist der mehrfach preisgekrönte Film „Corpus Christi“ über einen jungen Mann, der sich als Priester ausgibt und Menschen begeistert und herausfordert.
Daniel wirkt wie ein Asket. Kurz vor seinem 21. Geburtstag auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen, will er Priester werden. Der Funke des Glaubens, der durch den Gefängnispriester Tomasz entfacht wurde oder einfach übergesprungen ist, hat sich entzündet. Daniel ist der alte – und doch ist da etwas ganz Neues in ihm gewachsen. Im Rucksack hat er schon die Ausrüstung für sein neues Leben: Kolar, schwarzes Hemd. Und anstatt Schritt für Schritt ein Wiedereingliederungsprogramm in einem Sägewerk zu absolvieren, stürzt er sich zunächst ins Nachtleben und danach ins nächste Dorf. Dort stolpert er von einem Malheur ins nächste.

In Gottes Namen
Geht es in „Corpus Christi“ um den jungen vermeintlichen Priester oder um Schuld, Sühne und Rache? Oder nicht viel mehr um die Frage: Was macht den Kern des christlichen Glaubens aus? Wer darf in Gottes Namen sprechen? – Schon der Titel „Corpus Christi“ lässt Bilder im Kopf entstehen, die bei kirchlich Engagierten und Fernstehenden unterschiedliche Erwartungen wecken. Daniels Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, berührt auf vielen Ebenen. Großartig die schauspielerische Leistung von Bartosz Bielenia unter der strengen Regie von Jan Komasa. Wunderbar auch, wie die Kamera Stimmungen, Landschaften, Szenen aus dem Alltag des polnischen Lebens ohne Kitsch und Pathos einfängt.

Dramatisch
Unorthodox geht Daniel mit seiner traditionell geprägten Kirchengemeinde um. „Jeder von uns ist Christus! Gott ist nicht hier vorne, er ist mitten unter uns, jetzt, hier!“, predigt er und gewinnt zusehends die Herzen der Gemeindemitglieder. Diese haben – so wie er – ein dunkles Geheimnis: Ein Autounfall mit sieben Toten treibt einen Keil in das Dorf. War es Mord, ein Unfall? Vergebung für den verstorbenen Lenker und seine Frau scheint nicht möglich. Ein Häfenbruder enttarnt und erpresst ihn, die emotionale Nähe zur Tochter der Mesnerin, die Frauen haben Bruder bzw. Sohn durch den Autounfall verloren, führt zur körperlichen Begegnung. Der Gefängnispriester findet ihn und will ihn abholen. Der Weg zurück führt zum Ausgangsort der Filmgeschichte: dem Jugendgefängnis. Daniel wird von einem Mithäftling zum Kampf gezwungen. Die letzten Bilder von ihm: verstörend, gewaltvoll. Sein Gesicht gleicht einem Totenkopf. Der Film lässt das Publikum zurück mit großartigen, dramatischen Bildern – vieles bleibt bewusst offen. Kein Wunder, dass dieser dramatische Film mit Preisen überhäuft wurde.

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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