Bischof Schwarz zum 1. Adventsonntag
„Wachet und betet!“

Der Advent gibt uns die Chance, diese Angst und Verletzlichkeit, dieses Getrenntsein in uns erneut wahrzunehmen. In genau diese Verletzlichkeit und oft auch Verzweiflung hinein zeigt es sich, ob wir sagen können: „Der Menschensohn ist im Kommen.“
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  • Der Advent gibt uns die Chance, diese Angst und Verletzlichkeit, dieses Getrenntsein in uns erneut wahrzunehmen. In genau diese Verletzlichkeit und oft auch Verzweiflung hinein zeigt es sich, ob wir sagen können: „Der Menschensohn ist im Kommen.“
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Mit dem ersten Adventsonntag beginnt die Zeit des Zugehens auf Weihnachten. Aber heuer wieder nicht in der uns vertrauten Weise. In unseren Städten und Ortschaften wurden gerade wieder alle Adventmärkte geschlossen. Termine für das Adventsingen und für die Krippenspiele werden abgesagt. Viele sind daheim. Daheim haben Sie hoffentlich einen Adventkranz und schauen auf das Licht der ersten Kerze. Lassen Sie sich da das Wort des Apostels Paulus zusprechen, das er der Gemeinde in Thessalonich geschrieben hat: „Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit eure Herzen gestärkt werden.“ Was der Apostel schreibt, wünsche auch ich Ihnen, „damit eure Herzen gestärkt werden und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott unserem Vater“.

Paulus lebt ganz für seine Gemeinde und freut sich, dass sie von ihm gelernt haben, wie man leben muss, um Gott zu gefallen. Und so ermutigt er sie, noch vollkommener zu werden. Vielleicht können wir das eine oder andere, das wir einmal für die Feier der Adventtage gelernt haben, wieder neu ausprobieren und in der Liebe zueinander wachsen.

In Gemeinschaft wachen und beten

Das Evangelium führt uns noch nicht nach Betlehem oder in die uns vertraute Freude über Weihnachten. Die Liturgie der Kirche mutet uns Texte zu, die vom Kommen des Menschensohnes bei der Vollendung der Welt sprechen. Wir hören, ganz und gar ohne Kitsch und ohne Rührseligkeit, vom Ankommen Gottes am Ende der Zeiten. In sehr dramatischen Worten wird die Bestürzung und Ratlosigkeit der Menschen geschildert. Hier werden wir mit der persönlichen Angst konfrontiert, einer Urangst im Menschen, die die Einsamkeit und das Getrenntsein von Gott betrifft. Gemeinschaft ist hier die erste Antwort, die der Menschensohn uns gibt: Er sagt „Wachet und betet“, er spricht uns nicht einzeln an, sondern gemeinsam. Wir sind aufgerufen, in Gemeinschaft zu wachen und zu beten. Gemeinschaft ist die Antwort Jesu Christi auf die Angst des Getrenntseins. Jesus verwendet das Wort Menschensohn. Er wusste, dass die Römer dieses Wort nicht kennen. Es löste keine Angst aus, dass jetzt ein Messias gekommen ist. Deshalb sagt er: Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.

Deshalb kann Jesus es verwenden und er sagt: Meine Lebensaufgabe ist, den Menschen zu zeigen, dass Gott den Menschen dient und den Einzelnen nicht aus seinen Augen lässt. Das hat Jesus dann ausgelebt, mit allen Folgen, die er zu tragen hatte, mit der Belastung von Auseinandersetzungen, bis hin zur Vorführung vor den römischen Herrscher, der damals das Land in Israel besetzt hatte.

Wenn der Menschensohn kommt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.
Das ist ein Wort für schwierige Situationen: Ereignisse der Einsamkeit und des Zurückgeworfen-Werdens auf das Menschsein gibt es immer wieder. Nicht selten kommen Menschen in ihrem persönlichen Lebensumfeld in solche oder ähnliche Bedrängnisse. Für manche stürzt die Welt zusammen auf Grund eines Verkehrsunfalls, andere sind in Krankheiten hineingezogen, wieder andere erleben Naturkatastrophen als ihre letzte Stunde. Viele große und kleine Vorkommnisse schieben sich zwischen mich und Gott. Der Advent gibt uns die Chance, diese Angst und Verletzlichkeit, dieses Getrenntsein in uns erneut wahrzunehmen. In genau diese Verletzlichkeit und oft auch Verzweiflung hinein zeigt es sich, ob wir sagen können: „Der Menschensohn ist im Kommen.“ Spüren Menschen dann auch durch unsere Nähe und Liebe etwas vom Kommen Gottes? Kann er in unser Herz, in unser Leben kommen? Haben wir Vertrauen auf ihn? „Richtet euch auf“, sagt Jesus im Evangelium, denn „eure Erlösung ist nahe“! Ob uns das ins Ohr kommt oder zu Herzen geht, wenn es für uns soweit ist?

Doch gerade dies feiern wir im beginnenden Advent: Nämlich, dass uns in den Extrem- und Krisensituationen des Lebens Rettung zugesagt wird und erfahrbar ist. In täglicher Bemühung und durch tägliches Wachsam-Sein können wir seine wertvollen Worte aufnehmen, lebendig und „wach“ halten: „Eure Erlösung ist nahe“. Wir dürfen auf den Menschensohn hoffen. Machen wir uns bereit? Machen wir uns bereit!

Oft höre ich die Frage „Aber wie kann die Kraft zum Durchhalten gefunden werden? Wie kann man Vertrauen lernen – auch in der Not?“ Die Einladung Jesu „Wachet und betet!“ ist die Antwort auf diese Frage und zugleich Programm für die ganze Adventzeit. Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken:

• Kann die Liebe Gottes in mir wachsen?
• Wo erfahre ich Gemeinschaft, wo erfahre ich christliche Gemeinschaft?
• Lasse ich mich darauf ein, dass in mir Jesus Christus geboren werden soll?
• Traue ich mich, mit solchen Gedanken in den Advent hineinzugehen, ankunftsfreudig zu sein?

Der Advent gibt uns die Chance, diese Angst und Verletzlichkeit, dieses Getrenntsein in uns erneut wahrzunehmen. In genau diese Verletzlichkeit und oft auch Verzweiflung hinein zeigt es sich, ob wir sagen können: „Der Menschensohn ist im Kommen.“
Bischof Dr. Alois Schwarz
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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