Wort zum Sonntag - von Abt Thomas Renner
Meine Lebensentscheidung

Grabesritter und -Damen reichen einander beim Vater Unser die Hände – die Kandidaten tragen einen grauen Mantel (Archivaufnahme).
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  • Grabesritter und -Damen reichen einander beim Vater Unser die Hände – die Kandidaten tragen einen grauen Mantel (Archivaufnahme).
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Auf seinem Weg kommt Jesus mit seinen Jüngern nach Caesarea Philippi. Hier im Norden – am Fuße des Hermongebirges – stellt Jesus die Entscheidungsfrage: „Mit wem wollt ihr endgültig gehen? Seid ihr wirklich bereit, die Konsequenzen zu tragen, die der Weg nach Jerusalem unweigerlich mit sich bringt? Nämlich Leiden, Verfolgung und Tod am Kreuz?“

Ich kann Petrus wirklich gut verstehen, dass er diese Härten mildern oder vermeiden will. Jeder Mensch möchte doch so gut wie möglich Schmerzen vermeiden. Jeder Mensch möchte doch sein Leben so gut wie möglich absichern. Jeder Mensch möchte doch auch in aller Ruhe alt werden und ein sorgenfreies Leben führen.
Aber diesen Petrus treibt wohl noch eine andere Sorge um: So hat er sich den ersehnten Messias nicht vorgestellt! Doch wohl eher einen Kraftvollen und Durchsetzungsfähigen wie Mose und Elija. Einen, der allen klar macht, um was es geht – nämlich um Befreiung von Krankheit, Armut und Not, aber auch von politischer und religiöser Unterdrückung.

Jesus fordert von seinen Jüngern damals genauso wie von uns heute eine klare Antwort – eine klare Lebensentscheidung.

Bis heute erwarten wir doch alle von unseren politischen Verantwortungsträgern Wohltaten, Wohlstand und Heil. Sobald aber Schwieriges und Hartes klar und deutlich benannt wird, dann laufen die Wähler in Scharen davon und suchen sich andere Heilspropheten, die mit Worten schmeicheln. Genau diese Erfahrung muss auch Jesus machen. Wir hören sogar im Evangelium, dass gesagt wurde: „Was er sagt, ist unerträglich!“ Das schreckte ab und viele verließen ihn.

Offensichtlich war die Rede vom leidenden Messias so anstößig, dass Markus in seinem Evangelium in der weiteren Folge zum heutigen Abschnitt noch zwei Leidensankündigungen einbaute, um den Kontrast zwischen dem Verhalten der Jünger und ihren Erwartungen und der Verkündigung Jesu deutlich zu machen.
Jesus sucht nicht das Leiden um des Leidens willen. Er ist vielmehr in seinem Tun und Handeln konsequent. Der Weg nach Jerusalem ist ein Entscheidungsweg. Es ist eine Entscheidung – entweder oder –, es gibt keinen Mittelweg. Dort, im Zentrum der Macht, wird die Treue zu seinem Auftrag auf die Nagelprobe gestellt.
Natürlich hätte er im beschaulichen Galiläa am See Gennesaret bleiben können. Eine „Botschaft light“ – so wie sie heute gerne viele Menschen hätten – wäre doch auch eine Möglichkeit gewesen: Harmonie, Wohlgefühl und Einssein mit der Natur als sinnliches Angebot für individuelle religiöse Verwirklichung in jeder Lebensphase.
Aber Jesus nimmt den schwierigeren und härteren Weg an, weil er sich von Gott gesandt weiß, den Armen eine Frohbotschaft zu verkünden, den Kranken die Heilung und den Zerschlagenen die Befreiung. Das geht nur mit einer klaren und deutlichen Option – einer bewussten Entscheidung für diese Menschen.

Bis heute beeindrucken solche Menschen, die eigenes Leid und sogar Verfolgung auf sich nehmen, um sich für den Nächsten einzusetzen. In diesem Wissen bekommen die Worte Jesu „Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“, eine ganz neue Bedeutung.

Jesus gebraucht klare Worte – er redet nicht um den heißen Brei herum. Er stellt uns sein Programm ganz deutlich vor Augen. Und er fordert auch uns heute ganz klar und deutlich zu einer Entscheidung heraus.
Mit Blick auf die bevorstehende Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem am 25. September in der Stadtpfarrkirche von Krems-St. Veit – also die Neuaufnahme von Mitgliedern – sind es eben gerade auch die Damen und Ritter dieses päpstlichen Ordens, welche durch ihr persönliches Leben eine klare und deutliche Antwort geben möchten. Es ist nicht nur die vordergründige Aufgabe der Mitglieder des Ritterordens, den Christen im Heiligen Land spirituell und auch materiell beizustehen, sondern zu aller­erst das eigene Leben durch eine bewusste Entscheidung auf Jesus Christus hin auszurichten und in Wort und Tat Zeugen der Auferstehung in der Welt von heute zu sein.

Willst du also dein Leben retten oder verlieren? Schämst du dich der Worte Jesu vor den Menschen oder bist du wirklich jederzeit bereit, für sein Wort einzutreten – ob es nun gelegen ist oder nicht, ob du nun Beifall und Zustimmung erhältst oder nicht? Welche Entscheidung triffst du ganz konkret in deinem Leben heute?
Jesus fordert von seinen Jüngern damals genauso wie von uns heute eine klare Antwort – eine klare Lebensentscheidung. Sind wir bereit, diese auch wirklich zu geben?

Grabesritter und -Damen reichen einander beim Vater Unser die Hände – die Kandidaten tragen einen grauen Mantel (Archivaufnahme).
Prälat MMag. Thomas Renner OSB
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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