Wort zum Sonntag - von Helene Renner
Hören auf das Herz

Händewaschung vor dem Eintreten in einen Tempel. Auch heute brauchen wir Leitlinien, die uns helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Doch Riten, Vorschriften, Gebote und Gesetze können so wichtig werden, dass sie den Menschen einengen und nur mehr Schein sind.
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  • Händewaschung vor dem Eintreten in einen Tempel. Auch heute brauchen wir Leitlinien, die uns helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Doch Riten, Vorschriften, Gebote und Gesetze können so wichtig werden, dass sie den Menschen einengen und nur mehr Schein sind.
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Diese Pharisäer … – Da regen sie sich auf, weil andere, nämlich die Jünger Jesu, sich nicht an ihre Vorschriften und Regeln halten, obwohl diese doch bei den Juden von alters her überliefert und eingehalten werden, man muss sich doch an die vorgeschriebenen Waschungen halten! Jesus soll seine Jünger ermahnen und dazu bringen, dass sie sich an die vorgegebene Ordnung halten.

Doch Jesus nennt die Pharisäer Heuchler. Nicht weil sie sich an Gebote und Vorschriften halten, sondern weil sie nach dem Augenschein urteilen, nach dem, was sie sehen. Jesus sieht anders, er sieht auf die innere Haltung, nach der etwas getan, oder eben nicht getan wird. Er wirft den Anklägern vor, dass ihr Glaube weithin Lippenbekenntnis ist und sie nach dem äußeren Schein Urteile fällen. Gott aber schaut auf das Herz, sieht auf die innere Haltung, aus der heraus gehandelt wird.

Gottes Gebot aber ist das Gebot der Liebe, danach urteilt Gott. Wenn Gesetze nicht der Liebe dienen, sind sie sinnlos.

Wir schauen oft geringschätzig auf das Handeln der Pharisäer, ja manchmal ist das sogar ein Schimpfwort geworden. Doch damit tun wir ihnen Unrecht, denn nicht alles, was die Pharisäer tun ist falsch. Sie halten Gebote, Vorschriften und Riten, die ihnen helfen, ein gelingendes Zusammenleben zu gestalten. Sie lassen sich dadurch aber auch verleiten, auf diejenigen herabzuschauen, die anders leben und handeln.

Heute ist es nicht anders: Auch heute brauchen wir Leitlinien, die uns helfen auf dem richtigen Weg zu bleiben. Doch Riten, Vorschriften, Gebote und Gesetze, auch wenn sie schon lange überliefert sind, können so wichtig werden, dass sie den Menschen einengen und nur mehr Schein sind. Man muss immer wieder fragen, was ist hilfreich für unser Leben, was behindert vielleicht sogar? Wo nicht hinterfragt wird, wo nur mehr gehandelt wird, weil es immer so war, weil man ja vor den anderen gut dastehen will, gilt Jesu Vorwurf auch heute: „Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch nur mehr an die Überlieferung der Menschen.“ Gottes Gebot aber ist das Gebot der Liebe, danach urteilt Gott.
Dieses Gebot steht über allem und ist der Prüfstein für alle anderen Gebote, Gesetze und Vorschriften. Wenn diese nicht der Liebe dienen, sind sie sinnlos und wertlos.
Das heutige Evangelium will uns zum Nachdenken anregen: Handeln wir anders als die Pharisäer, handeln wir besser? Urteilen nicht oft auch wir nur nach dem äußeren Schein? Bewerten wir nicht auch Menschen nach ihrem Aussehen, ihrer Kleidung?
Gerade in Zeiten der sozialen Medien (die oft gar nicht sozial sind) wird ja ganz schnell jemand an den Pranger gestellt, weil er oder sie sich anders verhält, anders kleidet, eine andere Meinung vertritt ...
Auch unter den Gläubigen wird oftmals beurteilt, wer den richtigen Glauben hat, wer richtig und genug betet, wer zu liberal oder zu konservativ ist.
Beurteilungen nach dem äußeren Schein behindern das gute Zusammenleben der Menschen, ja können mitunter fatal sein. Wenn wir herzlos urteilen, dann kommt auch aus unserem Inneren Unreines, das das eigene Leben und das der Mitmenschen vergiften kann.
Jesus ruft uns auf, auf unser Herz zu hören und danach zu leben. Dazu fordert auch der Jakobusbrief (2. Lesung) auf. Wenn uns das gelingt, werden wir in den Augen Gottes rein werden, auch ohne rituelle Waschungen.

Händewaschung vor dem Eintreten in einen Tempel. Auch heute brauchen wir Leitlinien, die uns helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Doch Riten, Vorschriften, Gebote und Gesetze können so wichtig werden, dass sie den Menschen einengen und nur mehr Schein sind.
Helene Renner
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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