Unsere Serie „Kapellen – Marterl – Kreuze“
„Diese Antonius-Kapelle ist nicht nur für Vergessliche“

Grete Brandstetter
  • Grete Brandstetter
  • Foto: Wolfgang Zarl
  • hochgeladen von Wolfgang Zarl

Amstetten. Fährt man in Amstetten von Eisenreichdornach Richtung Viehdorf, findet man die Antonius-Kapelle, um die sich Grete Brandstetter (s. Bild) liebevoll kümmert. Einst ließ ihre Mutter diese zum Gedenken errichten, es war sozusagen das Grab von Gretes Vater Franz Zarl, der im Jahr 1945 in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft gestorben war. Im Frühjahr 1954 war Baubeginn, einige Monate später segnete Pater Bauernfeind die Kapelle, wobei viele Nachbarn zusammenkamen. Sie selbst habe ihren Vater nicht kennengelernt, bedauert Grete Brandstetter, weil er in den Krieg ziehen musste, als sie drei Wochen alt war.

Geweiht ist die Kapelle dem heiligen Antonius von Padua. Frau Brandstetter erzählt, dass sie einst mit ihrer Schwester per Leiterwagerl die schwere Antonius-Statue der im Krieg zerbombten Herz Jesu-Kirche von Amstetten nach Hause schaffte. Später wurde die Statue in der Kapelle aufgestellt. Auch andere Heiligendarstellungen sind mittlerweile darin zu finden, sowie Erinnerungen an liebe Verstorbene.

„Viele haben der Kapelle so manches zu verdanken“, ist Frau Brandstetter überzeugt. Denn wer etwas verliert, der wendet sich traditionell an den heiligen Antonius und bittet darum, es wieder zu finden. Oftmals mit Erfolg. Sie sei erstaunt, wie viele Menschen etwas suchen, denn immer wieder müsse sie ausgebrannte Kerzen wegräumen, die von Unbekannten aufgestellt wurden. „Es ist aber natürlich nicht nur eine Kapelle für Vergessliche und Schlampige“, scherzt Grete Brandstetter. Aber es sei schön, dass die Leute gerne dorthin kommen, wo der heilige Antonius anscheinend bei Notsituationen gut wirkt. „Kleinere Wunder“ hätten sich dort schon abgespielt. Einmal sei sie kontaktiert worden, als Bekannte die Brieftasche verloren hatten. Sie empfahl die Anrufung des Heiligen – kurze Zeit später war die Geldbörse wieder da.

Das Patronat des heiligen Antonius für verlorene Sachen geht auf die Überlieferung zurück, dass ein junger Mönch – des Ordenslebens überdrüssig geworden – das Kloster heimlich verlassen und den Psalter des Antonius mitgenommen hatte. Antonius versenkte sich ins Gebet für den jungen Mönch und für die Wiedererlangung seines Buches; daraufhin wurde der junge Mann von Erscheinungen heimgesucht, sodass er das Buch zurückbrachte.

„Kapellen – Marterl – Kreuze“ ist eine Kirche bunt-Reihe, in der Geschichten von Kleindenkmälern vorgestellt werden.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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