Wirkt(e) in Peru
Sr. Karina Beneder: eine Missionarin ist zurück
- Dieses Haus wurde am Sonntag vor ihrer Heimkehr ins Waldviertel gesegnet. Es wurde von einer Zwettler Familie finanziert. Rings herum sieht man die bedrückende Armut.
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Nach über vier Jahren als Umweltpädagogin und Missionarin in Peru ist die Franziskanerin Sr. Karina Beneder wieder nach Zwettl zurückgekehrt. Die Jahre waren entbehrungsreich, aber auch voll schöner Erfahrungen. Am 13. Februar feierte die gebürtige Kollmitzbergerin ihren 60. Geburtstag.
Sie waren vom 13. November 2021 bis 3. Februar 2026 in Peru als Umweltpädagogin und als Missionarin im Einsatz. Ihr Herz hängt an den Kindern in dem Anden-Land, wie haben Sie die Rückkehr erlebt?
Sr. Karina Beneder: Ich bin in der Schwestern-Gemeinschaft in Zwettl wunderbar aufgenommen worden. Ebenso in der Schule, in der ich gleich nach meiner Rückkehr wieder zu unterrichten begonnen habe. Hier ist man durch den Stundenplan organisiert. In Peru dauern Projektbesuche oder -planungen einen halben oder ganzen Tag.
Wie haben Sie die Kirche in Peru erlebt?
Sr. Karina: Unglaublich offen, lebendig, fröhlich und synodal – das waren meine Erfahrungen! Auch mir wurden wichtige Aufgaben übertragen. Begeisterung und große Freude waren auch durch die Wahl von Papst Leo XIV. zu spüren, der ja in Peru als Missionar gewirkt hat. Er kam Mitte der 1980er-Jahre als Missionar des Augustinerordens aus den USA nach Peru. Im Jahr 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator. Er war Bischof von Chiclayo – bis zu seiner Berufung in die römische Kurie im Jahr 2023. Wenn Papst Leo XIV. noch heuer seine frühere Wahlheimat Peru besucht, würde das die Menschen sicherlich sehr freuen.
Als Umweltpädagogin haben Sie beachtliche Projekte umgesetzt, was war das konkret?
Sr. Karina: Mein Team und ich haben unter anderem drei Baumschulen gegründet. Das ist besonders für die Zukunft. Ein Konzept sieht vor, dass um die Bäume das Gras „Vetiver“ angebaut wird, so brauchen die Pflanzen 80 Prozent weniger Wasser. Einige Armenviertel haben das schon umgesetzt und profitieren davon. In der Recycling-Anlage in Chorrillos können Plastikverschlüsse und Shampoodosen zerkleinert und in Formen gepresst werden – etwa für Blumentöpfe, Sitzbänke und Seifenschalen. In den Dörfern von San Pedro konnten wir Computer für vier Schulen von 12- bis 17-Jährigen zur Verfügung stellen, das bedeutet Digitalisierung.
Wichtig ist mir auch das „Haus der Talente“ in Pachacutec, es gehört der Diözese Callao. Dem dortigen Bischof ist es ein Anliegen, dass die Räume für die Kinder und Jugendlichen aus der Umgebung geöffnet und ihre Talente gefördert werden, denn es leben Tausende von Familien auf engstem und ärmlichem Raum. Jeden Samstag habe ich Schülerinnen und Schüler umweltpädagogisch geschult. Wir haben gemeinsam Pflanzen gesät, Gegenstände gebaut, die Bestand haben, etwa Sitzbänke, und ökologische Kreuzwege gestaltet. Auch die Themen Umwelt- und Wasserschutz haben wir ins Bewusstsein gerufen. Dazu haben wir gesungen und gebetet.
Ein weiteres Herzensprojekt war Ihnen das Zentrum „Laudato Si“.
Sr. Karina: Am 20. Dezember 2025 wurde das Zentrum „Laudato Si“ in Pachacutec gesegnet. Es war eine große Herausforderung, die großen Müllmengen in und rund um das Gebäude wegzuräumen. Es ist jetzt ein wunderschöner Ort mit vielen Bäumen und Sträuchern. Außerdem habe mich die Schöpfungsbilder und das Umweltlied „Alles ist miteinander verbunden“ für die Gestaltung einer Wand inspiriert. Dort ist der Kreuzweg aufgestellt, er wirkt einladend. „Laudato Si“ ist mittlerweile ein wichtiges Bildungszentrum, auch Pfarren nutzen es gerne für Klausuren.
Ein zentrales Projekt ist Ihnen auch die Partnerschule Santa Bernardita im Norden des Landes.
Sr. Karina: Die Schule Santa Bernardita wurde auf einer ehemaligen Müllhalde in einer bitterarmen Gegend gebaut. Jetzt ist sie fast fertig, die letzten Klassen und der Sportplatz wurden errichtet. Darin werden 700 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Sie leben vielfach in ärmlichen Verhältnissen, die wir uns gar nicht vorstellen können.
Sie haben viele Strapazen auf sich genommen, um dort zu wirken. Wie wird es weitergehen?
Sr. Karina: Ich habe zuerst auf einer Höhe von 4.200 Metern gelebt, dort ist die Luft schon sehr dünn. Auch die Entfernungen sind mühsam, zu manchen Ortschaften braucht man viele Stunden. Ich bin wirklich dankbar, dass die Projekte gesichert sind. Ich werde wieder hinreisen und mich vergewissern. Die Unterstützung aus Österreich läuft weiter. Der Verein „Wir wollen helfen Zwettl“ (www.wir-wollen-helfen-zwettl.at) unterstützt die Projekte großartig. Ich freue mich, dass immer wieder geschickte Handwerker aus dem Waldviertel kommen und mitarbeiten. Auch die MIVA und die diözesane Fastenaktion sind wichtige Partner. Eben erst konnte durch die Fastenaktion eine Photovoltaikanlage auf dem „Laudato Si“-Zentrum errichtet werden.
Bewegend war auch der letzte Sonntag meines Peru-Aufenthaltes: Da wurde ein Haus gesegnet, das von einer Waldviertler Familie in der Höhe von 2.500 Euro finanziert wurde. Ich habe das Gefühl: Alles, was wir machen, ist wichtig. Vor allem, dass Schritte in Richtung Umweltbewusstsein gesetzt wurden!
Es ist Ihnen wichtig, eng mit den Projekten verbunden zu bleiben. Wann werden Sie wieder nach Peru fliegen?
Sr. Karina: Natürlich werde ich regelmäßig hinreisen und mich vor Ort vergewissern.
Sie haben noch einen abschließenden Wunsch.
Sr. Karina: Ja, 230 Patenschaften für Schüler von Santa Bernardita mit Unterstützern aus Österreich gibt es. Von den Kindern und Jugendlichen habe ich Briefe mit, die ich jetzt an die jeweiligen Paten verteile. Es ist mir ein großes Anliegen, weitere Patinnen und Paten zu finden (50 Euro/Monat; Kontaktaufnahme mit Sr. Karina per WhatsApp oder Tel. 0676/826688233).
Zum Wirken von Sr. Karina Beneder
Die gebürtige Kollmitzbergerin und Franziskanerin lebt und wirkt seit vielen Jahren in Zwettl, wo sie an der Privaten Volks- und Mittelschule unterrichtet und sich in der Kirche engagiert. Seit Jahren initiiert sie Hilfsprojekte in Peru mit den Schwerpunkten Umwelt und Bildung für junge Menschen. Und Sr. Karina ist nicht alleine: „Ich bin sehr dankbar für die Organisaton Wir wollen helfen Zwettl, da wir gemeinsam schon viel Gutes bewirken konnten und es ist ein gutes Gefühl, dass so viele Menschen hinter uns stehen und uns helfen, damit wir helfen können.“ Infos: www.wir-wollen-helfen-zwettl.at.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.