Peter Pitzinger
Interview mit neuem Kath. Familienverbands-Vorsitzendem

Der fünffache Familienvater und neue Vorsitzende des diözesanen Familienverbandes, Dr. Peter Pitzinger (3. v. re.), im Kreise eines Teils seiner Familie. Die große „Österreichische Jugendwertestudie 2019“ zeigte – wie viele andere Studien auch – eindrucksvoll auf, wie bedeutend die Familie für junge Menschen ist. Sie ist mit großem Vorsprung der wichtigste Lebensbereich der 19- bis 26-Jährigen. | Foto: zVg
  • Der fünffache Familienvater und neue Vorsitzende des diözesanen Familienverbandes, Dr. Peter Pitzinger (3. v. re.), im Kreise eines Teils seiner Familie. Die große „Österreichische Jugendwertestudie 2019“ zeigte – wie viele andere Studien auch – eindrucksvoll auf, wie bedeutend die Familie für junge Menschen ist. Sie ist mit großem Vorsprung der wichtigste Lebensbereich der 19- bis 26-Jährigen.
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Der neue Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten, Dr. Peter Pitzinger, spricht im Interview mit „Kirche bunt“ über die Anliegen und Ziele der größten Familienorganisation des Landes.

Kirche bunt: Familie ist vielen das Wichtigste in der Welt. Was macht das Wunderbare an Familie aus?
Peter Pitzinger:Familie bedeutet Zusammenhalt. Es ist der erste Ort, wo man Geborgenheit erfährt. Hier ist man füreinander über mehrere Generationen verantwortlich.

Macht der Staat genug, um Familien zu unterstützen?
Pitzinger:Die Einführung des Familienbonus, der steuersenkend wirkt und die Wertsicherung der Familienbeihilfe waren in den letzten zwei Jahren schon Meilensteine in der Familienpolitik. Die Familienbeihilfe ist ein wichtiges Instrument, um jene zu entlasten, die Kinder haben und damit der ganzen Gesellschaft dienen und den Generationenvertrag weitertragen. Das ist uns ganz wichtig, um Gerechtigkeit für Familien mit Kindern herzustellen.

Wie wollen Sie junge Menschen ermutigen, Familien zu gründen?
Pitzinger: Uns ist es wichtig, wenn junge Familien nicht alleine da sind. Wenn sie ein Netzwerk haben, wenn es in der Pfarre Still- und Krabbelgruppen gibt. Hier wird Wissen und Erfahrung weitergegeben. Auch der Kirche tut es gut, wenn solche Vernetzungsinitiativen gefördert werden. Wir wollen Freude an und mit Kindern vermitteln.

Die meisten Mütter wollen ohne Druck und Geldsorgen zwei, drei Jahre bei ihren Kindern zuhause bleiben.
Kernanliegen ist Ihnen die Förderung familienähnlicher Betreuungsformen. Was heißt das konkret?
Pitzinger:Vielfach ist es bei der Betreuung von Kleinkindern so, dass nicht das im Vordergrund steht, was Familien brauchen, sondern die Wirtschaft. Sprich: Frauen sollen so schnell wie möglich zurück in den Arbeitsprozess. Dabei wollen die meisten Mütter ohne Druck zwei, drei Jahre ohne Job- und Geldsorgen bei ihren Kindern zuhause bleiben. Daher fordern wir die verstärkte Förderung von familienähnlicher Betreuung, wie Tagesmütter, Leihomas und -opas oder Babysittern. Wir unterstützen auch den Ausbau institutioneller Kinderbetreuung, aber es muss Wahlfreiheit bestehen bleiben und die Qualität muss passen, wie etwa ein Betreuungsschlüssel für die Kleinsten von 1:3 (eine Betreuerin für drei Kinder). Das ist eine Grundforderung des Katholischen Familienverbandes.

Welche Bedeutung messen Sie heute dem Kath. Familienverband zu?
Pitzinger:Der Familienverband ist die letzte Bastion, die zwischen der Politik, die die Familien oft zu wenig im Blick hat, und Familien steht. Wir vertreten die Anliegen der Familien und bei uns ist das Kindeswohl an erster Stelle. Daran erinnern wir auch die Politik. Dazu kommen verschiedenste Serviceleistungen – etwa der Omadienst, die Gratissteuerberatung für Familien rund um den 15. Mai oder die Aktion Plus-Minus in der Fastenzeit –, die wir den Familien und Schulklassen bieten. Wir sind dabei, die Kommunikation etwa über die Neuen Medien zu verbessern. Weiters ist uns auch die Vernetzung mit anderen niederösterreichischen Familienorganisationen sehr wichtig. Nach der Auflösung der Interessenvertretung der Familien in NÖ (IV-Familie) im Jahr 2018, die unter meinem Vorgänger Josef Grubner viel Gewicht hatte und auch Gesetze begutachten konnte, braucht es da endlich eine Nachfolgeorganisation und das Recht auf Mitsprache. Wir könnten uns zum Beispiel eine Familienverträglichkeitsprüfung bei allen Gesetzeswerdungen vorstellen, ähnlich wie jetzt schon die Umweltverträglichkeit, die EU-Konformität oder die Auswirkungen auf Gender-Mainstreaming geprüft werden. Wir können uns eine Familienverträglichkeitsprüfung bei allen Gesetzeswerdungen vorstellen.

Als ernstzunehmende Lobbying-Organisation für Familien brauchen Sie natürlich auch viele Mitglieder?
Pitzinger:Tausende Mitglieder sind eine respektable Größe, wir sind die größte Familienorganisation des Landes. Manche sind seit Anbeginn dabei – der Katholische Familienverband wurde 1953 auf Initiative von Kardinal Franz König, einem gebürtigen Pielachtaler, gegründet. Wir laden nicht nur junge Familien ein, Mitglieder bei uns zu werden oder sich in vielfacher Art zu engagieren, sondern auch ältere Menschen. Dazu freut es mich, wenn sich immer wieder Priester oder Einzelpersonen für eine Mitgliedschaft melden. Gemeinsam sind wir stark. Mit dem im Herbst neugewählten Vorstand und unserem neuen Geschäftsführer Stefan Pruckner sind wir sehr gut aufgestellt. Es gibt auch die Möglichkeit, sich als Familienpfarrgemeinderäte in den Pfarren zu engagieren, da hoffe ich auf engere Zusammenarbeit. Mein Ziel ist es, die Zahl der Mitglieder im diözesanen Katholischen Familienverband in den nächsten Jahren zu verdoppeln.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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