Weihnachtskrippen
Betlehem ins Wohnzimmer geholt

Eine ausgestanzte Krippe aus Karton wie diese fand auch auf engstem Raum Platz.
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  • Eine ausgestanzte Krippe aus Karton wie diese fand auch auf engstem Raum Platz.
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Dass heute Weihnachtskrippen in Kirchen aufgestellt werden und Krippen auch in den Wohnungen und unter dem Christbaum das Weihnachtsgeschehen verkünden, ist das Ergebnis einer langen, nicht immer geradlinigen Geschichte.

Weihnachtskrippen in ihrer heute bekannten Form gäbe es vielleicht nicht ohne den heiligen Franz von Assisi. Jedenfalls war er es, der in Greccio in der Christnacht des Jahres 1223 erstmals die Weihnachtskrippe als geistliches Schauspiel mit lebenden Tieren inszenierte, um „den des Lesens Unkundigen die Heilige Schrift und auch die Weihnachtsgeschichte besser verständlich zu machen“ – mit eigens eingeholter Genehmigung des Papstes.

Die Verehrung der Krippe reicht weit zurück. Bereits im 2. Jahrhundert besuchten Pilger die überlieferte Geburtsgrotte in Betlehem. Kaiserin Helena ließ darüber eine Basilika errichten.

In der römischen Kirche Santa Maria Maggiore entstand ein Nachbau der Krippe von Betlehem

Zu den ältesten Darstellungen der Geburt Christi gehören Szenen auf Sarkophagen – Ochs und Esel sind auf einem kunstvoll gearbeiteten Steinsarg aus dem 4. Jahrhundert in Arles zu sehen. Auf einem Sarkophag aus den Katakomben von Syrakus ist die Anbetung des Jesuskindes durch die Magier aus dem Morgenland zu sehen. Möglich waren solche bekenntnishaften Darstellungen überhaupt erst durch das Toleranzedikt Konstantins im Jahr 313 geworden.

Besonders eine Entscheidung der frühchristlichen Konzilien wurde für die Krippendarstellung prägend: Als das Konzil von Ephesus im Jahr 431 die sogenannte „Zwei-Naturen-Lehre“ verurteilte und die Einheit von göttlicher und menschlicher Natur in Jesus Christus festhielt, wurde Maria damit auch formell zur „Gottesgebärerin“, als die sie zuvor ja auch schon unter Berufung auf die Heilige Schrift verehrt worden war. Das hatte zur Folge, dass eine Krippe ohne Maria nun kaum mehr vorstellbar war. In der Bildsprache der christlichen Kunst gibt es dafür eine eigene Ausdruckform: die Präsentation des Erlösers auf dem Schoß Marias – sie stellt den Thron des Mensch gewordenen göttlichen Logos dar. Viele Ikonen zeigen diesen Bildtypus.

Was tun, wenn man gerne bei der Krippe sein möchte, aber nicht in den Orient pilgern kann? Man baut sich sein eigenes Betlehem. So entstand in Rom im 7. Jahrhundert in der Kirche Santa Maria Maggiore ein Nachbau der Krippe von Betlehem, wofür eigens Erde, Steine und auch ein Holztrog, der lange Zeit als die originale Krippe Christi galt, aus Betlehem herbeigeschafft wurden. Für die gleiche Kirche schuf im 13. Jahrhundert der Bildhauer Arnolfo di Cambio eine „heilige Abbildung“ der Geburtsszene Christi. Von den zahlreichen fast lebensgroßen Figuren sind nur Josef, die drei Magier sowie Ochs und Esel erhalten geblieben. Franziskus befand sich mit seiner Krippenfrömmigkeit also durchaus in guter Gesellschaft.

Spätere Krippendarstellungen wurden von den 1372 in Betlehem geschauten Visionen der heiligen Birgitta von Schweden bestimmt: Das Kind, das von Maria schmerzlos geboren wurde, lag zunächst nackt auf dem Boden – und Josef zündet eine Kerze an. Dürer, Altdorfer, Botticelli, Memling und viele andere Künstler ließen sich davon zu weit ausladenden Krippenszenarien inspirieren.

Krippenmetropole Neapel

Eine besondere Ausprägung fand die Krippenkunst im ausgehenden Mittelalter im Königreich Neapel. Den Anfang bildete die Schenkung einer Krippe mit lebensgroßen Figuren durch die Frau König Roberts des Weisen, Sancia von Aragon, an die Franziskanerinnen von Santa Chiara in Neapel. Bald wetteiferten die Frauen­klöster der Stadt um die schönste Krippe. Künstler aus halb Europa schufen so beeindruckende Krippenszenerien und trugen ihrerseits zu deren Verbreitung bei. Typisches Merkmal in der an Höhlen reichen Umgebung Neapels: Jesus kommt in einer Grotte und nicht in einem Stall zur Welt.

Ordensgemeinschaften wie Franziskaner, Theatiner und auch Jesuiten waren große Förderer der Krippe, dazu kamen Bruderschaften und private Auftraggeber. Betlehem-Anlagen bildeten Pendants zu den Kalvarienbergen – in unserer Diözese etwa im ehemaligen Servitenkloster Schönbühel und im – von böhmischen Chorherren gegründeten – Stift Dürnstein.

In habsburgischen Landen setzten die Jesuiten vor allem in Tirol und Böhmen (1562 in Prag) die plastische, geradezu greifbare Anschaulichkeit der Krippe der protestantischen Tradition gegenüber. Auf Seitenaltären von Kirchen wurden „Betlehem-Darstellungen“ aufgebaut, um Groß und Klein die Geschichte von Christi Geburt vor Augen zu führen.

Die Aufklärung bereitete der Krippenkunst und -verehrung, die sich im 17. und 18. Jahrhundert über ganz Europa ausgebreitet hatte, ein Ende. Kaiser Joseph II. erließ 1782 ein Verbot von Krippen und Brauchtum wie dem „Kindlwiegen“. Viele Krippen fielen der Zerstörung anheim.

Kaiser Franz I. nahm 1802 den Erlass seines Vorgängers zwar wieder zurück. Krippen wurden immer stärker im privaten Bereich beliebt, die Figuren daher entsprechend kleiner. Und wenn es keine richtige Krippe sein konnte – Faltkrippen aus Karton hatten in der kleinsten Wohnung Platz.

Die Krippe aus dem Müll

Die restaurierte barocken Kulissenkrippe im Stift Zwettl.
  • Die restaurierte barocken Kulissenkrippe im Stift Zwettl.
  • Foto: Leopold Schlager
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Das Titelbild dieser „Kirche bunt“ zeigt eine kunsthistorische Rarität – eine barocke Weihnachtskrippe aus dem Stift Zwettl. Sie wurde nun aus einem Dornröschenschlaf geholt, der sogar mehr als hundert Jahre dauerte.
Im Jahr 2014 wurde in einem alten Depot im Stift Zwettl eine Reihe von „bemalten Bretteln“ aufgefunden. Die Ähnlichkeit zu den Kulissen des „Heiligen Grabes“ war offenkundig – mit einem gravierenden Unterschied. Das „Heilige Grab“ wurde 1744 von Franz Anton Danne, dem führenden Spezialisten für Theaterdekorationen in Wien, im Auftrag von Melchior Zaunagg angefertigt und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Kulissenmalereien des österreichischen Barock. Und die neu aufgefundenen Kulissenelemente zeigen nicht die aufgebrachte Menge aus der Passionserzählung, sondern Maria mit dem Kind, einen Hirten mit Dudelsack, einen Stall aus antiken Ruinen, ein Schaf. Dazu auf grobe Leinwand gemalt Josef mit Ochs und Esel sowie Engel mit einer nächtlichen Landschaft als Hintergrund des Weihnachtsgeschehens. Nach dem Urheber musste man nicht allzulange suchen – der Stil erinnerte an die Ausmalung des Festsaales oder der Johanneskapelle bei der Kampbrücke. So kann dem Wiener Maler Joseph Schitz ein weiteres Werk zugeschrieben werden.

Die Fundstücke waren in einem teilweise sehr schlechten Erhaltungszustand, vor allem die Bemalung der Leinwanddekoration hatte sich teilweise schon abgelöst. Eine Restaurierung konnte durch die „Depotoffensive“, ein vom Museumsmanagement des Landes Niederösterreich gefördertes Projekt, erfolgen. Groß war das Staunen, nachdem der Staub eines Jahrhunderts von der sensiblen Malerei abgetragen war und die barocken Farben wieder zum Vorschein kamen. Ein kleines Wunder, denn „Joseph Schitz hatte die Malerei wohl nur als Gelegenheitsarbeit in Leimfarbe, auf grober Leinwand und einfachen Brettern verfertigt“, weiß der Archivar des Stiftes Zwettl, Dr. Andreas Gamerith.

Möglicherweise wurden die Elemente der Krippe während der Weihnachtszeit in die Kulisse des Heiligen Grabes integriert, mutmaßt Gamerith. Die Krippe war immerhin über hundert Jahre in Verwendung, war abgenützt und entsprach auch nicht mehr dem Zeitgeschmack. So wurde 1893 eine neue Weihnachtskrippe angeschafft, die der Tiroler Krippenschnitzer Josef Bachlechner im Alter von nur 23 Jahren meisterhaft vollendete. Die alte Krippe war damit mehr oder weniger Brennholz, zumal Autoritäten des damaligen Kunstbetriebs wie der Konservator Hermann von Riewel mit Werken früherer Epochen kein Pardon kannten.

Die barocke Krippe hat nun im gleichen Raum wie das „Heilige Grab“ ihren neuen Aufstellungsort gefunden. Das ist mehr als eine zufällige räumliche Verbindung. Das Kind in der Krippe, das als der neugeborene König der Juden verehrt und angebetet wird, erweist sich vollends als solcher am Kreuz auf Golgota.

Eine ausgestanzte Krippe aus Karton wie diese fand auch auf engstem Raum Platz.
Die restaurierte barocken Kulissenkrippe im Stift Zwettl.
Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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