Josef der Arbeiter
Zärtlicher Vater und Patron der Arbeiter

„Die ersten Schritte des Jesusknaben“ aus dem Josefszyklus im Stift Lilienfeld. Josef ist von seiner zärtlichen Seite zu sehen, im Hintergrund ist die Werkstatt angedeutet.
  • „Die ersten Schritte des Jesusknaben“ aus dem Josefszyklus im Stift Lilienfeld. Josef ist von seiner zärtlichen Seite zu sehen, im Hintergrund ist die Werkstatt angedeutet.
  • Foto: Stift Lilienfeld / Harald Schmid
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Er ist wichtig für das irdische Aufwachsen von Jesus Christus, bleibt aber sonst im Hintergrund: Josef von Nazaret, zu dessen Ehren Papst Franziskus ein noch bis zum 8. Dezember dauerndes „Jahr des heiligen Josef“ ausgerufen hat.

Der Marienmonat beginnt mit einem Mann: Während Gewerkschaften und Arbeiterparteien zu ihren Kundgebungen zusammenkommen, feiert die Kirche einen Arbeiter und gedenkt des Zimmermanns Josef. „Josef der Arbeiter“ heißt der Gedenktag, den Papst Pius XII. 1955 einführte. Josef ist damit einer von zwei Heiligen – der andere ist Johannes der Täufer –, dem gleich zwei Gedenktage gewidmet sind. Zum traditionellen Josefstag am 19. März, der als Hochfest begangen wird, kam der erste Mai dazu als Gedenktag „Josef der Ar­beiter“.

Ein Jahr zu Ehren des heiligen Josef

Kreativer Mut, Bescheidenheit, Gehorsam und Verantwortung: Die Attribute, mit denen der heilige Josef verbunden wird, sind ebenso zahlreich wie seine Patronate. Zum 150. Jahrestag seiner 1870 erfolgten Erhebung zum „Universalpatron der Kirche“ hat Papst Franziskus dem Nährvater Jesu ein ganzes Jahr gewidmet. Das „Jahr des heiligen Josef“, das am vergangenen 8. Dezember begann, soll Impulse für die Kirche wie auch für die Gesellschaft geben, auch vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie.

Mit keinem Heiligen – mit Ausnahme Marias – haben sich die Päpste in der jüngeren Kirchengeschichte so ausgiebig befasst wie mit Josef, schreibt Franziskus in der Erklärung „Patris corde“ („Mit dem Herzen eines Vaters“): Nach der Kirchenpat­ron-Ernennung durch Pius IX. betonte Leo XIII. (1878-1903) die Beziehung des Zimmermanns Josef zur Welt der Arbeit, sodass Pius XII. ihn 1955 zum „Patron der Arbeiter“ erkor. Johannes Paul II. schließlich nannte in einem eigenen Schreiben 1989 Josef „Beschützer des Erlösers“, und Franziskus selbst sicherte ihm 2013 – auf Initiative seines Vorgängers Benedikt XVI. – die Nennung im Eucharistischen Hochgebet.

Ein Vorbild für Jesus – und ein Vorbild im Glauben für alle

Josef von Nazaret gilt als Bräutigam Mariens, wie im Neuen Testament von den Evangelisten Matthäus und Lukas berichtet wird. Josef nahm Maria auf Geheiß eines ihm im Traum erschienenen Engels trotz ihrer Schwan­gerschaft zur Frau. Somit wurde er zum Pflege-, Nähr- bzw. Zieh­vater Jesu. Eine wichtige Rolle kam Josef nach der Geburt Jesu in Betlehem zu. Er schaffte es, durch rechtzeitige Flucht nach Ägypten seine Frau Maria und den neugeborenen Jesus vor den Soldaten des Königs Herodes zu retten. Später führte er seine Familie wieder nach Nazaret zurück, wo Jesus aufwuchs.

Nur spärlich ist das, was wir gesichert über das Leben des Heiligen aus Nazaret wissen. Sein Alter wie auch die Geburts- und Todesdaten bleiben im Dunkeln, und zu seiner Herkunft gibt es in den neutestamentlichen Stammbäumen sogar unterschiedliche Angaben: Josefs Vater heißt bei Matthäus Jakob, bei Lukas jedoch Eli. „Den Genealogien geht es in erster Linie um Jesus, nicht um Josef“, erklärt Petra Ritter-Müller, Professorin für Bibelwissenschaft des Neuen Testamentes und Vorständin des Instituts für Biblische Wissenschaften der Hochschule Heiligenkreuz.

Als Hinweis für die Heilsgeschichte ist auch die Nennung Josefs – und somit auch Jesu – als Nachfahre des jüdischen Königs David (im Lukasevangelium) zu verstehen. Josefs Name – er bedeutet „Gott fügt hinzu“ – ist zwar derselbe wie von zwei anderen biblischen Gestalten, nämlich Josef dem Ägypter und Josef von Arimathäa. Der Name Josef war allerdings relativ häufig, weshalb diese Namenswahl nicht überbewertet werden sollte.
Auffällig ist laut der Bibelexpertin besonders das Adjektiv „gerecht“, mit dem Josef von Matthäus beschrieben wird. „Es ist auch sonst im Neuen Testament eher selten – und daher von besonderer Wichtigkeit.“ Josef habe sich einerseits an die Vorschriften des jüdischen Gesetzes gehalten, sei zugleich aber auch fair gegenüber Maria gewesen. Gerecht sei Josef aber auch dadurch, dass er nach seiner Begegnung mit dem Engel im Traum „tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“, nämlich seine Frau zu sich nahm und sie „nicht erkannte, bis sie ihren Sohn gebar“.

Zimmermann oder Baumeister?

Beruflich war Josef Handwerker, gehörte damit wohl der kleinbürgerlichen Mittelschicht an und bestritt den Unterhalt für sich und seine Familie durch seine Arbeit. Doch worin genau bestand seine Tätigkeit? Die Berufsbezeichnung „tekton“ der griechischen Evangelien bezeichnet Baumeister, wobei sich aber die Übersetzung „Zimmermann“ durch Martin Luther, der hier wohl an die aus Holz errichteten Fachwerkhäuser seiner Zeit dachte, durchsetzte. In Israel wurden Häuser aber eher aus Stein erbaut. „Wir können vermuten, dass Josef – ebenso wie Jesus auch – am Bau gearbeitet hat, mit Holz oder auch anderen Materialien“, erklärt Petra Ritter-Müller.
Denkbar sei auch, dass Josef und Jesus auch in der galiläischen Stadt Sepphoris sechs Kilometer nördlich von Nazaret engagiert waren, die König Herodes Antipas zu genau jener Zeit stark vergrößern ließ. Wenn Jesus solchermaßen früh mit dem Bauhandwerk vertraut war, dann rücken manche seiner Worte in ein neues Licht, etwa wenn er Psalm 118,22 zitiert: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.“ Jesus wusste wohl aus eigener Anschauung, dass es diesen „Eckstein“ braucht, ohne den sich kein gera­des Gebäude hochziehen lässt.

Das Tagesgebet vom 1. Mai bringt das Vertrauen auf die „Fürsprache unseres Schutzpatrons, des heiligen Josef“, zum Ausdruck, „der mit seiner Hände Arbeit die Heilige Familie ernährte“, und erinnert so auch an den biblischen Auftrag, durch das Werk der eigenen Hände den Auftrag Gottes auf Erden zu erfüllen. Quelle: Kathpress

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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