Die Theologin Susanne Gillmayr-Bucher über die Weisheit des biblischen Königs
Was macht Salomo so weise?

So stellte sich ein Renaissance-Maler den biblischen König Salomo vor: Ölgemälde des Spaniers Pedro Berruguete (ca. 1450 – ca. 1504).
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In der Bibel berichten die Samuel- und Königsbücher von der Zeit, als in Israel und Juda Könige herrschten (zirka 9. bis 6. Jahrhundert vor Christus). Sie tun das allerdings nicht im Sinn einer Geschichtsschreibung und interessieren sich nur am Rande für die großen außen- und innenpolitischen Erfolge oder Niederlagen dieser Herrscher.

Ihr Interesse gilt vielmehr dem Verhältnis der Könige zu ihrem Volk und zu Gott. Sie fragen danach, ob es den Königen gelungen ist, Gottes Weisungen entsprechend zu handeln und zu herrschen. Der Anspruch, der im Rückblick an diese Könige gestellt wird, ist sehr hoch und so wundert es nicht, dass nur wenige Könige dem kritischen Blick dieser Darstellungen standhalten können.

Ein König, der positiv beurteilt wird

Ein König, der überwiegend positiv gezeichnet wird, ist König Salomo (1 Könige, Kapitel 1–11). Obwohl auch in seiner Darstellung kritische Töne anklingen, wird Salomo weitgehend als Ausnahmeerscheinung präsentiert, nämlich als überaus weiser König, der keiner Gewalt bedarf, um seine Königsherrschaft aufrechtzuerhalten.
Die biblischen Texte betonen die Stabilität der Herrschaft Salomos, dazu zählen die kluge Organisation des Königreichs, Salomos Wertschätzung durch andere Könige, aber auch die Zufriedenheit des Volkes. Besondere Aufmerksamkeit liegt zudem auf Salomos reger Bau­tätigkeit, wobei sein größtes Werk der Bau der Tempels in Jerusalem ist. Die ausführlichen Schilderungen des Tempelbaus lassen nicht nur die Schönheit und Pracht dieses Bauwerks vor den Augen der LeserInnen entstehen (1 Kön 6–7), sondern sie betonen, dass der Tempel jener Ort ist, an dem sich Gott und Menschen begegnen können (1 Kön 8–9).

Salomo geht es nicht um Erfolg

Dass eine solche außergewöhnliche Herrschaft möglich war, begründet die Bibel mit der alles überragenden Weisheit Salomos, die ihm von Gott geschenkt wurde. Am Beginn seiner Herrschaft, so erzählt 1 Kön 3,5–15, erscheint Gott dem Salomo in einem Traum und fordert ihn auf, sich etwas zu wünschen. Salomo bittet nicht um Reichtum, Erfolg oder ein langes Leben, sondern um ein „hörendes Herz“, um sein Volk gut zu regieren – und das wird ihm gewährt.

Dass dieser Traum in Erfüllung ging, davon berichtet die Erzählung gleich im Anschluss, als Salomo in einem scheinbar unlösbaren Streit zweier Mütter um ein lebendes und ein totes Kind ein gerechtes Urteil sprechen kann (1 Kön 3,16–28). Er entscheidet weder aufgrund von Indizien noch aufgrund der Schilderungen der Mütter, sondern Salomo fragt vielmehr nach den Absichten der Frauen.

Ein menschenfreundlicher Richter

Er spricht schließlich jener das lebende Kind zu, der es in erster Linie um das Wohl des Kindes geht. Salomo stellt also das Kind als schutzbedürftigste Person dieses Streits in den Mittelpunkt und entscheidet zugunsten des Schwächsten. In den Augen des Volkes erweist sich mit diesem Urteil Salomos außerordentliche Weisheit.
Doch nicht nur im Bereich der Rechtsprechung zeigt sich Salomos Weisheit, die biblische Darstellung beschreibt ihn darüber hinaus als einen in allen Wissensbereichen kundigen Menschen, der 3.000 Sprüche und 1.005 Lieder verfasste.

Seine Weisheit war weit über die Grenzen seines Reiches hinaus bekannt, sodass zahlreiche Könige kamen, um seine Weisheit zu hören (vgl. 1 Kön 5,
9–14). Eine solche Begegnung, nämlich der Besuch der Königin von Saba, wird herausgegriffen und ausführlicher entfaltet (vgl. 1 Kön 10,1–13 ).

Besuch der Königin von Saba

Dabei wird Salomos Weisheit noch einmal auf den Prüfstand gestellt, reist doch die Königin von Saba nur deshalb nach Jerusalem, um sich von der angeblichen Weisheit Salomos selbst ein Bild zu machen. Die biblische Darstellung betont, dass Salomo den kritischen Fragen dieser Königin standhalten kann. Ja mehr noch, sie ist sogar sprachlos angesichts von Salomos prächtigem und wohlorganisiertem Königshof.
Die Erzählungen von Salomos Weisheit im ersten Königsbuch werden in anderen biblischen Büchern aufgenommen und weitergeführt. So wird Salomo im Buch der „Sprüche“ als Urheber oder Autor der zusammengestellten Sprüche erwähnt (Spr 1,1; 10,1; 25,1). Wenn sich Kohelet (Koh 1,1.12) als Sohn Davids und König von Jerusalem darstellt, der sich auf die Suche nach Weisheit begibt, dann ist für die Leser ganz klar, dass es sich nur um den weisen König Salomo handeln kann.
Nicht ganz so deutlich ist der Hinweis auf Salomo im Buch der „Weisheit“. Wenn allerdings der Sprecher (Weis 7,15-21) darauf verweist, dass Gott ihn mit umfassender Weisheit ausgestattet hat, und er sich erhofft, dass Gott ihn auch mit richterlicher Weisheit sprechen lässt, können die Leser auch hier eine deutliche Anspielung auf König Salomo erkennen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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