Apostel Petrus und Paulus
Die „Apostelfürsten“ in Streit und Dialog

Abschied der „Apostelfürsten" Petrus und Paulus. Das Werk des Bildhauers Peter Wilderin (um 1730) befindet sich im Museum am Dom in St. Pölten und ist eine Dauerleihgabe der Pfarre St. Georgen/Steinfeld.
  • Abschied der „Apostelfürsten" Petrus und Paulus. Das Werk des Bildhauers Peter Wilderin (um 1730) befindet sich im Museum am Dom in St. Pölten und ist eine Dauerleihgabe der Pfarre St. Georgen/Steinfeld.
  • Foto: Museum am Dom St. Pölten
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Am 29. Juni ist das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Wegen ihres Martyriums in Rom werden sie zusammen gefeiert, dennoch waren sie nicht immer „ein Herz und eine Seele“. Ihr Festtag ist traditionell ein Tag der Priesterweihen. In diesem Jahr wurden viele Priesterweihen bedingt durch die Corona-Pandemie auf den Herbst verschoben.

Petrus und Paulus gelten als die „Apostelfürsten“. Da ist Petrus, der „Fels“, wie ihn Jesus genannt hat, der gleichwohl oft kleingläubig war und Jesus bei dessen Verhör sogar einer Magd gegenüber verleugnet hat. Und da ist der „Völkerapostel“ Paulus, der die Anhänger Jesu blutig verfolgte und dann, nach seiner Bekehrung in einer überirdischen Lichterscheinung, zum unbeirrbaren Zeugen Jesu Christi und seiner Auferstehung wurde und auf großen Missionsreisen dafür sein Leben riskierte.

So sehr beide sich für die Sache Jesu einsetzten, so heftig fiel eine Auseinandersetzung zwischen beiden über den künftigen Weg der Mission aus, die in der Apostelgeschichte und in Briefen des Paulus mit durchaus unterschiedlichen Akzentsetzungen ihren Niederschlag fand, und das, obwohl Paulus sich sonst auf sein gutes Einvernehmen mit Petrus und allen Aposteln beruft.

Zur Auseinandersetzung kam es in Antiochia am Orontes, einem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum und damit auch Schnittpunkt verschiedenster Kulturen im Vorderen Orient. „Der Konflikt berührt die Kirche von Antiochia an ihrer empfindlichsten Stelle: an der Tischgemeinschaft von Juden und Heiden im Haus des Glaubens, also auch an der Eucharistie“, so der Bibelwissenschaftler Thomas Söding. Die kirchliche Gemeinschaft fand ihre tiefste Verwirklichung darin, dass Juden- und Heidenchristen „zusammen essen“ (vgl. Gal. 2,2).

Es ging dabei nicht um irgendeine Äußerlichkeit, sondern um das Wesen der Kirche, die am Gegensatz zwischen Juden- und Heidenchristen zu zerbrechen drohte. Aus Sicht der Judenchristen sollten die Speise- und Reinheitsvorschriften des Gesetzes auch von den Heidenchristen übernommen werden. Mehr noch, Paulus warf Pet­rus Heuchelei vor und sah ihn getrieben von Angst „vor denen aus der Beschneidung“ (Gal 2,12), also von
Judenchristen, für die Christen nichtjüdischer Herkunft das ganze Gesetz des Mose zu übernehmen hatten. Für Paulus dagegen ist durch die Auferstehung Jesu, durch die Taufe und den Glauben das „Gesetz“ überwunden.

Ein Skandal: Petrus im Haus eines „Unbeschnittenen“

Die Haltung des Petrus erscheint umso verwunderlicher, als er selbst davor schon ins Haus eines heidnischen Hauptmanns in Joppe (heute Jaffa) gerufen worden war. Dort hatte er eine Vision, in der ihm unreine Tiere erschienen, und dreimal hörte er die Stimme: „Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!“ (Apg 10,15). Petrus musste sich bei den „Aposteln und Brüdern in Judäa“ sogar dafür rechtfertigen, dass er „bei Unbeschnittenen eingekehrt“ war und mit ihnen gegessen hatte (Apg 11,3). Es ist ein wichtiger, vom Heiligen Geist geleiteter Lernprozess, der in die Einsicht mündet: „Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt“ (Apg 11,18). So gesehen ist die Auseinandersetzung der Proponenten Petrus und Paulus in Antiochia eher ein erneutes Ringen um den gemeinsamen Weg als die Vertiefung einer Kluft. Gegen die übrigen Apostel hätte Paulus seine Mission wohl nicht weiterführen können, auch wenn er sich im Galaterbrief (2,11) rühmt, dass er dem Petrus „ins Angesicht widerstanden“ habe. Man könnte sagen, es genügt eben nicht, dass jede Gruppe innerhalb der jungen Kirche ihren Glauben hat und lebt, sie aber nicht „zusammen essen“ und damit auch nicht zusammen eucharistische Mahlgemeinschaft halten können.

Schon die junge Kirche hat ein zwar kontinuierlich weiterentwickeltes, aber im Grundprinzip immer noch gültiges Instrument entwickelt, um Konflikte auszugleichen: ein Konzil. Es gab eine Vorerhebungsphase, in der die Abgesandten der Gemeinde in Antiochia den Aposteln und Ältesten in Jerusalem „alles erzählten, was Gott mit ihnen zusammen getan hatte“, ebenso wird die Gegenposition gläubig gewordener Pharisäer benannt: „Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten“ (Apg 15,4-5). Daraufhin traten die Apostel und die Ältesten zusammen, um die Frage zu prüfen. Auch da gab es heftigen Streit. Pet­rus legte dar, was ihm von Gott geoffenbart worden ist. Jakobus, das eigentliche Haupt der Jeru­sale­mer Gemeinde, pflichtete ihm bei, „den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden“ (Apg 15,19). Schließlich wurden die Beschlüsse in ein Schreiben gefasst, das sich auf die Autorität der Apostel stützt und zur Beruhigung der Gemüter dienen soll (Apg 15,24).

War dieser Weg damals ein Wagnis, so ist er heute angesichts einer unüberschaubaren Vielfalt von Kirchen ebenso wie von innerkirchlichen Gruppierungen um nichts einfacher. Aber am aufrichtigen Dialog führt kein Weg vorbei.

Autor:

Leopold Schlager aus Niederösterreich | Kirche bunt

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