Das ewige Vorbild

Buntglasfenster in der Stiftskirche Zwettl: Der heilige Leopold III., Markgraf von Österreich.
 | Foto: Wikimedia Commons / Eric Schilcher
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Am 15. November gedenkt Niederösterreich seines Landespatrons, des heiligen Markgrafen Leopold. Als heiligmäßiger Herrscher stilisiert, diente er als Identifikationsfigur für die Mächtigen Österreichs.

Mit Vorbildern ist das ja so eine Sache. Macht man als Person des öffentlichen Lebens bekannt, man habe dieses und jenes Vorbild, rückt man sich einerseits zwar in die Nähe dieses Idols, man wird aber natürlich auch immer daran gemessen. Karl Nehammer zum Beispiel bemerkte einmal, sein Vorbild sei Leopold Figl, was freilich mutig ist, handelt es sich dabei doch um einen der ganz Großen des republikanischen Olymps.

Dass sich Machthaber durch die Nennung eines Idols selbst mit einem besonderen Nimbus umgeben wollen, ist aber keine Erfindung der Neuzeit. Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian I. sahen im 15. und frühen 16. Jahrhundert ebenso die Notwendigkeit, sich selbst und ihrem Haus, dem Geschlecht der Habsburger, durch ein Idol innere und äußere Stärkung zu verleihen. Da es im Mittelalter – gerade für die Habsburger – kaum eine vornehmere Tugend gab als die Frömmigkeit, sollte es nach Möglichkeit ein Heiliger sein. Schließlich hatten andere Herrscherhäuser in Europa ebenso „Hausheilige“: Die Kapetinger hatten den heiligen Ludwig IX., die Ottonen Heinrich und Kunigunde, ja sogar die Luxemburger, die im benachbarten Böhmen regierten, hatten den Landespatron König Wenzel für sich vereinnahmt und schmückten sich mit dem heiligen Vorgänger.

Ein Hausheiliger für Österreich

Friedrich III. musste nicht lange suchen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Sein Großonkel Rudolf IV., auch genannt der Stifter, sorgte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln auf kreative und teils auch nicht sehr redliche Weise dafür, sein Haus Habsburg auf der weltpolitischen Bühne prominent zu platzieren. Ein Projekt aber konnte er nicht zu Ende führen: Die Heiligsprechung eines Hausheiligen für die Habsburger. Doch die Grundlagen waren da. Nicht weit von Wien, seiner Geburts- und Residenzstadt, verehrten die Klosterneuburger Chorherren ihren Stifter, der zu Beginn des 12. Jahrhunderts auf einen Wink der Gottesmutter hin eine Kirche errichten ließ und mit dem Reformorden der Augustiner Chorherren besetzte. Die Rede ist vom Markgrafen Leopold III., der von den Klosterneuburgern bereits kurz nach seinem Tod und lange vor seiner Heiligsprechung verehrt wurde. Das Idol war gefunden und so trieb der sonst in reichspolitischen Fragen eher als zögerlich geltende Friedrich den Heiligsprechungsprozess voran. Die Tatsache, dass Leopold gar kein Habsburger war, tat der Vereinnahmung keinen Abbruch. Er war Herrscher Österreichs, sogar der erste, der von Österreich als einer echten territorialen Größe sprach. Das reichte.

Ein gerechter Herrscher und Wahrer kirchlicher Privilegien.

Und so kam es schließlich am Dreikönigstag des Jahres 1485 zur feierlichen Heiligsprechung durch Papst Innozenz VIII. nach einem langen Prozess, bei dem der Fürsprache des nun zur Ehre der Altäre Erhobenen ganze 20 Wunder zugeschrieben wurden. Die feierliche Übertragung seiner Gebeine konnte erst einige Jahre später stattfinden. An dieser nahm bereits Maximilian I. teil, der dort allerdings nicht als Kaiser auftrat, sondern in der Tracht der österreichischen Erzherzöge. Die Botschaft war eindeutig: Hier ging es nicht um das Heilige Römische Reich, sondern um Österreich. Das hatte jetzt einen Patron, der selbst Österreicher war.

Und was für ein Österreicher: In den Heiligenbiographien des Markgrafen lässt sich von großer Frömmigkeit und Treue zur Kirche lesen. Letzteres zeigte sich deutlich an der Unterstützung der hochmittelalterlichen Kirchenreformen. Seine Klostergründungen in Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Klein-Mariazell sind dafür gute Beispiele. Auch sein persönliches Leben soll von besonderer Frömmigkeit geprägt gewesen sein. Was an diesen Erzählungen tatsächlich stimmt oder als spätere Ausschmückungen gelten muss, ist unklar. Fakt ist, dass die Habsburger mit dem Babenberger Leopold ein ideales Vorbild gefunden haben: Romtreu, fromm, bescheiden, ein gerechter Herrscher und Wahrer kirchlicher Privilegien. Diese Eigenschaften prägten das Selbstverständnis der Habsburger als von Gott eingesetzte Monarchen bis in die Moderne. Matthias Wunder

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

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