Sr. Pallotti Findenig
Wort zum Sonntag

Als Chruschtschow bei seiner berühmten Rede die Stalin-Ära verurteilte, soll ein Mann aus den Zuhörern gerufen haben: „Wo waren Sie, Genosse, als diese unschuldigen Menschen getötet wurden?“ Der Kreml-Chef hielt inne, schaute herum und bat den Sprecher aufzustehen. Die Spannung im Saal wuchs, alle warteten, aber niemand stand auf. Darauf Chruschtschow: „Wer immer Sie sind, das ist die Antwort: Ich war damals genau in der gleichen Lage, wie Sie jetzt sind.“ Diese Begebenheit fand ich bei Antony de Mello.
Einem solch mächtigen Staatschef braucht kaum jemand von uns gegenüberzutreten und doch sagen wir manches – oder sagen es nicht – aus Menschenfurcht. Zustimmen, weil mein Gegenüber das gern hört oder ablehnen aus demselben Grund: Ich kenne ganz wenige Menschen, bei denen das nie vorkommt. Es geht um Anerkennung, um betrieblichen Aufstieg oder ganz einfach darum, dem Bild zu entsprechen, das ich glaube festhalten zu müssen. Was tue ich nicht selber alles um „das Leben vor den Menschen“ nicht zu verlieren? Aber was für ein Leben ist das? Eingeengt und bedrückt vom oftmaligen Fragen: Was denken die Leute, wenn ... ? Dieses Denken aufzugeben ist schwer, wenn die Erziehung davon geprägt war. Und doch: Wir sind befreit zur Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8,21). Der Maßstab für unser Denken und Handeln ist von Paulus klar genannt: „Der Vater im Himmel“. Jesus sagt es nach der Auferstehung unmissverständlich deutlich: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20,17).
Dem Petrus müssen wir eigentlich sehr dankbar sein dafür, dass er der Magd des Hohenpriesters so viel Macht beigemessen hat und deshalb seine Zugehörigkeit zu Jesus verneinte (Mk 14,68). Er, auf den Jesus baute, der mit ihm war, fiel um wegen einer für ihn unbedeutenden Frau. Jesu Verhalten ihm gegenüber wurde aber nicht anders. Er entzog ihm nicht sein Vertrauen, seine Liebe – weil er wusste, dass Petrus ihn liebte. So darf auch ich hoffen, dürfen wir alle hoffen ...

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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