Wort zum Sonntag von Alexandra Gfreiner, Theologin und Dipl.-Gesundheits- und Krankenschwester
Die Tiefendimension

Nachdem die Menschen das Zeichen der Brotvermehrung gesehen und erlebt haben, wollen sie mehr. Sie sind fasziniert. Sie werden tatsächlich aktiv, suchen Jesus und lassen sich auf ein wirklich äußerst herausforderndes Gespräch ein. „Ich bin das Brot des Lebens“. Für mich sehr verständlich, dass sie zu murren beginnen. Aber anscheinend ist ihr Blick, ist ihr Verständnis zu kurz, denn sie haben das Wunder als Wunder gesehen, nicht mehr. Nicht als Zeichen. Sie haben es als etwas Übernatürliches empfunden, aber eben bei Weitem nicht verstanden, worauf es hinzielt.
Jesus korrigiert diese oberflächliche Sicht: Er will, dass sie die zeichenhafte Tiefendimension verstehen. Es geht eben nicht um ein Entweder-Oder: Das Brot am See und das Manna in der Wüste gegen das Brot für das Ewige Leben. Der allzu bekannte Handwerker Jesus aus dem kleinen Nest Nazareth gegen den „Ich Bin (der Ich bin da – Jahwe)“. Der Körper gegen den Geist. Es geht um das Durchdringen des Leiblichen, Greifbaren. Der Leib und sein Ergehen sind nicht unwesentlich, sondern gerade an ihm vollzieht sich die Vollendung.

In meiner Tätigkeit als Krankenschwester durfte ich vielen zu Tode kranken Menschen begegnen. Ein solcher mag auf den ersten Blick hilflos und gebrochen sein. Aber es ist gleichzeitig eine Kraft erahnbar, die dem Zustand zu widersprechen scheint. Es ist nicht laut und aufdringlich. Und es nimmt auch nicht das Leidvolle des Sterbenden und seiner Zugehörigen. Aber beim Innehalten und Mit-Aushalten merkt man ein Hineingezogen-Werden in etwas Größeres. Es geht da nicht mehr um Leistung und Anstrengung, sondern um eine andere Art zu sehen: mit den Augen Jesu.
Das glaubende Sehen ist ein Lernprozess, bei dem ich mich an der Hand nehmen und durch das Augenscheinliche, Leibliche hin zum Ewigen ziehen lassen darf.

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Sonntag Redaktion aus Kärnten | Sonntag

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