Landwirtschaftskammer-Präsident Huber:
Mehr Fairness für die Bauern

Siegfried Huber, Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, über den Preisdruck des Handels, den Klimawandel und warum mehr heimische Lebensmittel auf den Teller kommen sollen.

Sie haben kürzlich die Erntebilanz präsentiert. Wie geht es den Bauern in Kärnten?
Huber: Wir haben über 17.000 Mitgliedsbetriebe, die sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Da gibt es welche, die hervorragend dastehen und andere haben sehr zu kämpfen. Was die Erntebilanz betrifft: Wir hatten kein Rekordjahr, aber insgesamt müssen wir sehr zufrieden sein. Das hängt auch damit zusammen, dass wir in Kärnten von größeren Naturkatastrophen verschont geblieben sind. Als ein Parameter dafür gelten die Schadenssummen der Hagelversicherung. Diese belief sich heuer auf etwas über vier Millionen Euro. Im Schnitt der vergangenen Jahre waren es immer mehr als zehn Millionen.

Der Klimawandel trifft die Bauern besonders. Was kann man dagegen tun?

Huber: Das ist die große Herausforderung, die auf uns zukommt und die man sicher nicht leicht von Kärnten aus lösen kann. Wir haben gemeinsam mit über 2.000 Bäuerinnen und Bauern und dem Land Kärnten einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Ein Beispiel von vielen sind resistentere Grassamen mit einem höherer Eiweißgehalt. Was bringt das? Dass wir nicht mehr auf Soja-Importe etwa aus Südamerika angewiesen sind. Das spart weite Transporte – etwas, das auch durch regionalen Einkauf erreicht werden könnte, etwa im Handel oder der Gastronomie.

Das ist ja gerade ein sehr aktuelles Thema. Elisabeth Köstinger hat jetzt eine Offensive gegen den Großhandel gestartet, der zu wenig heimische Produkte im Sortiment hat bzw. den Bauern niedrige Preise abverlangt. Wie beurteilen Sie die Chancen, dass sich etwas ändert?
Huber: Wenn das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb so kommt, wie geplant, ist das ein erster Schritt. Es kann ja nicht sein, dass man als Lieferant alle Aktionen des Handels mitfinanzieren muss. Und die Retourware müssen wir auf unsere Kosten zurücknehmen. Der Handel macht mit uns Bauern ständig Werbung. Aber wenn Sie in die Regale schauen, findet man uns heimische Bauern selten. Das fällt vor allem bei den Eigenmarken auf, die österreichische Produkte vortäuschen.

Ein Gegenargument ist, dass bei heimischen Produkten die Preise steigen.
Huber: Das sehe ich ganz und gar nicht so. Wir reden ja von Cent-Beträgen. Es würde genügen, wenn der Lebensmittelhandel die Gewinnspanne etwas reduziert. Wir haben eine aktuelle WIFO-Studie, wonach von 100 Euro Lebensmittel nur 3,67 Euro in Kärnten beim Bauern ankommen. Wenn wir nur 5 Euro hätten, müssten die Preise nicht steigen. Wenn jetzt die Energiekosten wieder massiv steigen, können wir das ja nicht auf unsere Produkte einfach aufschlagen. Denn der Markt macht den Preis und nicht der Bauer. Da erwarte ich mir mehr Fairness vom Handel.

Eine ähnliche Frontstellung gibt es gegenüber der Gastronomie. Sie fordern, dass die Kärntner Wirte bei Kärntner Bauern kaufen.
Huber: Sie können kaufen, wo sie wollen. Aber ich halte es für ganz wichtig, dass in der Gastronomie die Herkunft gekennzeichnet wird. Ich bin überzeugt, dass dies die Nachfrage nach heimischen Produkten steigert. Alle reden davon, wie wichtig der regionale Einkauf ist, dass die Transportwege reduziert werden und die Wertschöpfung im Land bleiben soll.

Soll diese Kennzeichnung per Gesetz kommen?
Huber: Wir setzen auf Freiwilligkeit. Wenn sich die Gastronomie weigert, muss irgendwann die verpflichtende Kennzeichnung kommen. Aber ich will es eigentlich partnerschaftlich regeln. Der Tourismus braucht uns Bauern. Schauen Sie sich die Tourismuswerbung an – die setzt ja voll auf die bäuerlich gepflegte Landschaft. Da kann ich mir ehrlich gesagt auch erwarten, dass Tourismusbetriebe verstärkt heimische Lebensmittel anbieten.

Was bringt das konkret?
Huber: Unsere WIFO-Studie zeigt, dass wir in Kärnten nur 30 % heimische Lebensmittel am Teller haben. Wir importieren jährlich Lebensmittel im Wert von 126 Millionen Euro. Wenn wir den Anteil nur um ein Prozent steigern, hätte die Landwirtschaft Mehreinnahmen von 38 Millionen Euro. Stellen Sie sich vor, was das an Wertschöpfung für unser Land bedeutet! Mein Ziel ist eine Steigerung um zehn Prozent in den nächsten zehn Jahren.

Wie soll das gehen?
Huber: In einem ersten Schritt wollen wir gemeinsam mit der Arbeiterkammer die großen Betriebskantinen erreichen. Wenn dort Kärntner Lebensmittel verarbeitet werden, schaffen wir das erste Prozent Steigerung. Wenn das Essen um 40 Cent teurer ist, stürzt das niemanden in Armut.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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