Werner Drobesch im Gespräch
Streifzüge durch das historische Klagenfurt

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Der Untertitel Ihres Buches lautet: „Ein kultur- und gesellschaftsgeschichtlicher Streifzug“. Ist es ein Fremdenführer oder ein Buch für Einheimische?
Drobesch: Es ist auf keinen Fall ein Fremdenführer. Das Buch soll Einheimischen aber auch Nicht-Einheimischen die Geschichte und die Besonderheiten von Klagenfurt vermitteln.

Was macht Klagenfurt so besonders?
Drobesch: Klagenfurt bietet auf einem kleinen Raum sehr viel und besticht durch eine ideale Symbiose von Stadt und Land. Das ist ein Unterschied zu anderen Landeshauptstädten. Dazu kommt eine sehr schön erhaltene Altstadt. Es wurde viel investiert, um den Stadtkern wiederherzustellen. Das ergibt doch eine hohe Lebensqualität. Dazu gehört auch, dass Klagenfurt in den letzten Jahrzehnten ein Bildungszentrum mit der Universität und einem breiten Spektrum an Bildungsinstitutionen wurde.

Noch gar nicht so lange heißt Klagenfurt „am Wörthersee“. Wie steht es um die historische Bedeutung des Sees für die Stadt?
Drobesch: Kulturgeschichtlich ganz besonders bedeutend ist der Lendkanal. Er ist die Verbindung von der Stadt zum See. Begonnen wurde er schon unter Kaiser Maximilian I. Sie müssen bedenken, dass damals zwischen See und Stadt nur Wiesen, Wälder und Sümpfe bestanden. Der Kanal als Verbindung zum See wurde im 16. Jahrhundert hergestellt. Es waren rein wirtschaftliche Gründe, um etwa Holz nach Klagenfurt zu befördern.

Maximilian schenkte die Stadt den Ständen, womit Klagenfurt zur Landeshautpstadt wurde. Das war wohl eine sehr prägende Phase?
Drobesch: Zuerst war einmal der Wiederaufbau der 1514 niedergebrannten Stadt notwendig. Man holte den Stadtbaumeister Domenico dell´Alio, der auf dem Reißbrett die Stadt plante. Dieser Bauboom dauerte etwa 100 Jahre, in denen viel investiert wurde. Wir sind hier aber auch in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Für die protestantischen Stände war der Aufbau von Klagenfurt auch ein Prestigeprojekt.

Welche Bedeutung hat die Gegenreformation für Klagenfurt?
Drobesch: Die Gegenreformation ist geistes- wie kulturgeschichtlich bedeutend. Die Jesuiten kamen nach Klagenfurt und gründeten eine Jesuitenakademie, die fast zu einer Universität geworden wäre. Aber da legten sich die Grazer quer. Sie müssen sich vorstellen, dass in dieser Akademie Lehrer und Schüler aus ganz Europa zusammenkamen. Klagenfurt öffnete sich geistesgeschichtlich der damaligen Welt.

Sie würdigen auch Maria Anna, die Tochter von Kaiserin Maria Theresia, in Ihrem Buch.
Drobesch: Erzherzogin Maria Anna hat so etwas wie das Flair einer Residenzstadt nach Klagenfurt gebracht. Ihr Palais, das heutige Bischofshaus, war ein Zentrum für viele Künstler und Gelehrte des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Danach kamen aber die Napoleonischen Kriege. Erst später öffnete sich die Stadt wieder: Die Stadtmauern wurden niedergerissen und es entstand so etwas wie eine Ringstraße nach Wiener Vorbild.

Die Wiener Ringstraße beeindruckt durch Oper, Burg, Museen, Palais. Gibt es Pendants dazu in Klagenfurt?

Drobesch: Durchaus – vor allem am Viktringer und Völkermarkter Ring. Denken Sie an die heutige Landesregierung. Das Gebäude war ursprünglich für die Hüttenberger Eisenwerksgesellschaft gedacht. Dann das Landesmuseum, das heutige Konzerthaus, aber auch die gegenüberliegende Straßenseite gehört dazu. Am Völkermarkter Ring finden sich das heutige Europagymnasium oder das Gebäude der Carinthia. Dieser Teil spiegelt im Kleinen den Geist der Wiener Ringstraße. Allerdings wurden nicht alle Pläne verwirklicht und die Klagenfurter Ringstraße blieb unvollendet.

Wie sieht Ihr Blick auf das heutige Klagenfurt aus?
Drobesch: Seit den 1950er-Jahren gibt es einen Aufschwung, der vor allem in den vergangenen Jahrzehnten mit der Gründung der Universität und in jüngster Vergangenheit mit dem Lakeside-Park einhergeht. So hat sich Klagenfurt weiterentwickelt zu einer im internationalen Vergleich sehr lebenswerten mittelgroßen Stadt. Diese Wege werden im Buch nachgezeichnet – dabei geht es einerseits um historische Entwicklungen, um Persönlichkeiten, die Klagenfurt geprägt haben und um besondere Orte.

Kärnten begeht heuer das 100-Jahr-Jubiläum der Volksabstimmung. Wie weit hat die Zweisprachigkeit Klagenfurt geprägt?

Drobesch: Der Anteil an der slowenischsprachigen Bevölkerung in Klagenfurt darf nicht unterschätzt werden. In der Zeit der Reformation gab es einen slowenischsprachigen protestantischen Prediger. Später war in der Heiligengeistkirche auch ein katholischer slowenischer Pfarrer. Das zieht sich durch die Geschichte. Bis zum Zeitalter des Nationalismus gab es ein sehr friedliches Miteinander. Mit dem starken Bauwesen im 19. Jahrhundert kamen dann sehr viele Italiener in die Stadt, sodass man durchaus von einer Dreisprachigkeit sprechen kann. Heute ist Klagenfurt eine europäische Stadt mit vielen Sprachen und Kulturen.

Sie porträtieren in Ihrem Buch die vielen Kirchen der Stadt. Welche Beziehung haben Sie dazu?
Drobesch: Klagenfurt ist eine Kirchenstadt. Denken Sie an den Dom. Er alleine bietet kultur-, kunst- und geistesgeschichtlich ein riesiges Spektrum, das in seiner ganzen Vielfalt das Buch gesprengt hätte. Gebaut als protestantische Predigerkirche, dann von den Jesuiten übernommen, von ihnen um- und ausgebaut mit der Fanz-Xaver-Kapelle, dem Altarraum oder der Freskenausstattung. Oder die Stadtpfarrkirche mit der einzigartigen Fuchs-Kapelle. Don Bosco wiederum vermittelt für mich Spiritualität in einem modernen Sinn. Die Kirchen haben Klagenfurt geprägt, und ich würde jedem Klagenfurter empfehlen, sie aus kulturgeschichtlichen Aspekten, aber auch als Orte des Glaubens aufzusuchen.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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