Neuer KA-Geschäftsführer
Hallegger: Katholische Aktion als gewichtige Stimme

Michael Hallegger ist der neue Geschäftsführer der Katholischen Aktion Kärntens. Ein Gespräch mit Gerald Heschl über Politik und Kirche, Strukturen der KA, Migration und Wirtschaft und was er sich vom synodalen Prozess erwartet

Sie sind seit 2. August Geschäftsführer der Katholischen Aktion (KA) Kärntens. Ihrem Lebenslauf ist keine kirchliche Vorgeschichte zu entnehmen. Wie sind Sie zur Kirche gekommen?
Hallegger: Ich habe eine klassische katholische „Laufbahn“: Ich war im katholischen Kindergarten, bei der Jungschar und selbstverständlich auch Ministrant. Ganz stark geprägt hat mich meine Schule, die HLW St. Peter, eine Ordensschule der slowenischen Schulschwestern.

Sie haben bei einer Bank und zuletzt im sozialen Wohnbau gearbeitet. Was hat Sie an der KA gereizt?
Hallegger: Der soziale Wohnbau ist für die Menschen da. Vor allem geht es um benachteiligte Menschen, und da sehe ich einen starken Berührungspunkt mit der Kirche. Außerdem bin ich ehrenamtlich sehr engagiert. Ich bin in der Bergwacht aktiv und auch in der Ausbildung tätig. Von daher weiß ich, was Ehrenamtliche brauchen. Ich denke, das ist für die Tätigkeit in der KA, in der ja so viele Ehrenamtliche engagiert sind, eine gute Basis. Diese Erfahrungen kann ich übrigens auch sehr gut in den laufenden Strukturprozess der KA einbringen.

Sie sind ehrenamtlich auch in der Politik tätig. Sie sind Vizebürgermeister der SPÖ in Ihrem Heimatort St. Jakob/Rosental. Als KA-Geschäftsführer sind Sie ja auch mit anderen Parteien im Gespräch. Haben Sie keine Angst, dass es hier zu Konflikten kommt?
Hallegger: Nein, ganz und gar nicht. Sie müssen unterscheiden zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. In der Gemeinde sind wir ganz nahe an den Menschen, und es geht uns um deren Bedürfnisse. Das braucht unbedingt den partei-übergreifenden Dialog. Genau das ist auch für die KA wichtig.

Und wenn Sie einmal eine Gegenposition etwa zur Bundes-SPÖ vertreten müssen?

Hallegger: Auch da sehe ich keine Probleme. Wer mich kennt, weiß, wo ich stehe. Ich werde mich nicht verbiegen lassen und einen klaren Kurs fahren. Außerdem wird immer deutlich gemacht, wenn ich als KA-Geschäftsführer spreche.

Sie sprechen in ihrer ersten Stellungnahme von einer stärkeren gesellschaftsrelevanten Positionierung der KA. Was heißt das?
Hallegger: Die KA-Präsidentin Iris Straßer hat schon vor einiger Zeit den „Quo-Vadis-Dialog“ begonnen. Hier wurden relevante gesellschaftliche Themen benannt. Es liegen auch schon konkrete Ergebnisse vor. Das betrifft etwa die Themen Armut und Chancengleichheit. Auch die Themenbereiche Wirtschaft oder Umwelt werden ganz zentrale Punkte für die KA sein. Für Herbst planen wir einen Dialog, wo es um die Frage des assistierten Suizids geht. Das ist insofern ein brennendes Thema, weil in der Bundesregierung ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden soll. Ich denke, dass die KA in diesen gesellschaftlich relevanten Themen eine gewichtige Stimme sein sollte.

Wie wird das konkret geschehen?
Hallegger: Ich kann da auf einem starken Netzwerk aufbauen. Es gibt ja schon einen hochkarätigen Kreis von Experten und Expertinnen, mit denen wir verschiedene Themen behandeln. Hier geht es darum, sich eine Meinung zu bilden und entsprechend Einfluss auszuüben.

Aber die KA ist doch mehr als ein Expertenkreis.
Hallegger: Ja natürlich! Wir sollen und werden in Zukunft stärker unsere Stimme erheben und wollen damit alle Menschen im Land ansprechen. Ich bitte aber schon um Verständnis, dass wir keine politische Partei sind, die zu allem und jedem sofort einen Sager rauslässt. Wie gesagt machen wir uns ein umfassendes Bild und wollen dann eine relevante und fundierte Stellungnahme auf Basis der christlichen Werthaltung abgeben.

Ein aktuelles Beispiel ist die Frage der Abschiebung von Afghanen in ihr Heimatland. Caritaspräsident Landau hat dies kürzlich vehement verurteilt. Wie sehen Sie diese Praxis?
Hallegger: Grundsätzlich finde ich, dass jemand, der ein humanitäres Bleiberecht hat, nicht abgeschoben werden darf. Europa hat hier eine Verantwortung, die wir auch aus der Geschichte heraus wahrnehmen sollen. Österreich muss für Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt werden, ein sicheres Land sein. Konkret zu Afghanistan: Ich finde, dass angesichts des Vorrückens der Taliban auch Österreich die Abschiebungen aussetzen sollte.

Sie haben auch das Thema Wirtschaft genannt. Papst Franziskus hat für großes Aufsehen gesorgt, als er sagte: „Diese Wirtschaft tötet.“ Sie kommen aus der Wirtschaft. Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen?

Hallegger: Global gesehen gibt es eine ganze Reihe von Fehlentwicklungen. Einige riesige Konzerne beherrschen den größten Teil des Weltmarktes und zerstören damit auch kleine, regionale Strukturen. Nehmen Sie nur den US-Riesen Amazon. Hier wurde eine Vormachtstellung aufgebaut, mit der kleine Unternehmen nicht mehr mithalten können. In Österreich aber sind gerade die Klein- und Mittelbetriebe die wichtigsten Arbeitgeber. Auf die müsste mehr geschaut werden – seitens der Politik, aber auch der Konsumenten.

Wird es künftig seitens der KA auch Forderungen an die Politik geben?
Hallegger: Ganz sicher. Wie wir dies machen werden, möchte ich noch nicht verraten. Man muss nicht alles gleich über die Medien ausrichten. Aber Sie können davon ausgehen, dass wir Missstände, die wir wahrnehmen, auch klar benennen.

Der Papst hat für die ganze Weltkirche einen Synodalen Weg ins Leben gerufen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Kirche und auch kirchlicher Strukturen. Wie weit wird sich die Kärntner KA in diesen Prozess einlassen?
Hallegger: Wir sind bereits Teil der entsprechenden Arbeitsgruppe, die im Herbst konkrete Punkte ausarbeiten wird.

Die KA ist die größte Laienorganisation. Es wird beim Synodalen Weg wohl auch um die Rolle der Laien gehen. Gibt es schon konkrete Forderungen?
Hallegger: Forderungen werden wir als KA sicher keine stellen. Sie können aber davon ausgehen, dass wir uns auch in Kärnten eine stärkere Einbindung der Laien wünschen. Aber wie gesagt: Erste Schritte folgen im Herbst, da will ich noch nicht vorgreifen. Generell meine ich aber, dass wir mit diesem Thema bei unserem Bischof ohnehin Gehör finden. In Kärnten hat sich in der jüngsten Vergangenheit viel getan. Diese positive Entwicklung der Kirche war auch ein Grund, warum ich mich für die Position in der KA beworben habe.

Wenn wir in die Zukunft blicken: Wie soll die KA 2025 unter Ihrer Führung aussehen?

Hallegger: Mein Ziel ist, dass sich die KA im Jahr 2025 so etabliert hat, dass sie bei allen gesellschaftlich relevanten Themen eine gewichtige Stimme in Kärnten ist. Dazu gehört auch, dass sie bei einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist und die Menschen ganz klar wissen, wofür wir stehen.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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