Sr. Silke Mallmann nach ihrer schweren Krebserkrankung
Es gibt Goldfäden zwischen Himmel und Erde, die wieder aufrichten

Wie durch ein Wunder überlebte Sr. Silke Mallmann vom Kloster Wernberg eine schwere Krebserkrankung. In ihrem Buch „Goldfäden zwischen Himmel und Erde“ schreibt sie darüber. Die Lesung am 18. März im Klagenfurter Diözesanhaus musste leider abgesagt werden. Dafür gibt es hier ein ausführliches Interview:

Sie haben Ihre Erfahrungen und Erlebnisse nach einer schweren Krebserkrankung im Buch „Goldfäden zwischen Himmel und Erde“ festgehalten. Wie entstand die Idee zu diesem Buch?
Sr. Silke: Eigentlich hätte es gar kein Buch werden sollen. Während der Krankheit sind viele Dinge passiert, die mir nicht normal erschienen sind. Immer wenn ich davon erzählt habe, meinten meine Freunde: Das musst du aufschreiben. Das wollte ich für jene Freunde tun, die meinen Weg intensiv mitgegangen sind. Dann bin ich per Zufall auf der Homepage des Herder-Verlages gelandet, habe denen ein Manuskript gesandt – und dann wollten sie dieses Buch machen.

Wenn man eine so schwere Krankheit überwunden hat und dann so ein Buch schreibt: Da werden doch alle Erinnerungen an die Schmerzen wieder wach. Hatten Sie nie Angst davor, das alles noch einmal durchzuleben? Oder war es eine Form der Therapie?
Sr. Silke: Es ist beides. Natürlich durchlebt man all das noch einmal, aber gleichzeitig entlastet es. Man sieht die Krankheit im Nachhinein ja aus einer gewissen Sicherheit – auch wenn man nicht weiß, wie das Ganze weitergeht.

Wie kamen Sie auf den Titel?
Sr. Silke: Die „Goldfäden“ stammen aus einem Zitat von P. Alfred Delp SJ. Es geht um Goldfäden, die in Zeiten von Krisen und Erschütterung Himmel und Erde verbinden. In dem Buch geht es viel weniger um die Krankheit, als um die Goldfäden. Nämlich darum, dass Gott auch in absolut katastrophalen Situationen am Werk ist und seine Fäden spannt.

Wie hat die Krankheit Ihre Gottesbeziehung verändert?
Sr. Silke: Sie wurde auf jeden Fall noch enger und vertrauensvoller. Man gewinnt eine gewisse Gelassenheit, wenn man spürt: Ich bin von Gott gehalten. Das verbinde ich auch mit einer großen Dankbarkeit. Jeder Tag ist ein Geschenk. Ich habe eine unglaublich intensive Freude am Leben. Aber gleichzeitig auch eine viel größere Freiheit im Glauben. In unseren Köpfen geistert ja noch immer die Vorstellung herum, was man alles tun muss, um Gott zu gefallen. Im Endeffekt muss man gar nichts tun. Gott ist ja kein Sonntag-Früh-9-Uhr-Programm. Gott wirkt und zeigt sich in jedem Augenblick. Das sind die Goldfäden.

Mit Gott gehadert haben Sie nie?
Sr. Silke: Eigentlich nicht. Er ist immer gegenwärtig als der große Überrascher, der eingreift. Er bringt mich in Situationen, die ich so gar nicht will, nicht verstehe. Aber ich kann darauf vertrauen, dass Gott einen Plan mit mir hat, der sich mir in dem Moment total entzieht. Irgendwann löst es sich wieder auf. Das ist das Spannende und das Schöne an der Gottesbeziehung.

Das sind die Goldfäden, die von Gott kommen. In dem Buch geht es aber auch um Goldfäden, die von Menschen kommen.
Sr. Silke: Die Freundschaften sind sehr eng geworden. Wenn man die Diagnose bekommt, dass die Zeit knapp wird, dann redet man nicht mehr über die Arbeit oder das Wetter. Die Gespräche und damit auch die Beziehungen verändern sich, werden tiefer und wesentlicher. Das trifft eigentlich genau das, was Hilde Domin so formuliert hat: „Keine Katze mit sieben Leben, keine Eidechse und kein Seestern, denen das verlorene Glied nachwächst, kein zerschnittener Wurm ist so zäh wie der Mensch, den man in die Sonne von Liebe und Hoffnung legt.“

Woher kommt diese innere Kraft? Sie schreiben im Buch sehr viel über das Rheinländische Wesen.
Sr. Silke: Ich denke, das habe ich schon von zu Hause mitbekommen. Wir haben im Rheinland, wo ich herkomme, eine sehr positive Einstellung zum Leben. „Es kommt, wie es kommt“, ist so ein Spruch. Dazu gesellt sich ein ganz tiefes Gottvertrauen, dass alles, das kommt, in der Hand Gottes gehalten ist. Wir lachen viel über uns selbst. Das ging mir auch während der Krankheit so: Ich habe oft lachen müssen, was da noch alles daherkommt! Da habe ich schon gedacht: Das kann doch gar nicht wahr sein und musste dann über mich selbst lachen.

In dem Buch sind die Schilderungen der Krankheit oft schonungslos. Aber dann gibt es immer wieder eine positive Wendung, die einen mitunter sogar erleichtert auflachen lässt.
Sr. Silke: Das sind Dinge, die mir auch erst im Nachhinein aufgefallen sind. Ich habe mir während des Schreibens oft gedacht: Das gibt es doch gar nicht! Da kam noch eine Komplikation und dann ist wieder ein Problem dazugekommen. Während der Krankheit merkt man das nicht, weil man mit dem Jetzt, mit der gegenwärtigen Situation genug zu tun hat.

Ihre Gesundung hat bei vielen zu Sprachlosigkeit geführt. Man hat Sie mehrmals untersucht, weil die Ärzte das für unmöglich hielten. Glauben Sie an Wunder?
Sr. Silke: Ich glaube an Wunder. Es gibt Ärzte, die bezeichnen meine Heilung als ein Wunder. Aber ich möchte auf mich bezogen nicht davon sprechen. Das ist mir zu groß.

Wie war das, als Sie für gesund erklärt wurden?
Sr. Silke: Da stand ich vor dem Krankenhaus, und irgendwie zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Ich hatte keinen Kontrolltermin mehr, auf den ich zulebte, keine Therapien mehr. Ich konnte das gar nicht glauben – und wartete immer darauf, dass noch etwas kommt.

Wie ist das jetzt?
Sr. Silke: Ich lebe in dem starken Bewusstsein, dass es jeden Tag wieder anders werden kann. Ich genieße jeden Tag und fürchte mich vor der nächsten Diagnose. Wenn es kommt, dann kommt es. Ich lebe sehr intensiv, und ich lebe gerne.

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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