Neupriester Thomas Tsach aus Sigleß
„Bei einem Patschen werde ich helfen“

Zweifacher Experte: Thomas Tsach war Automechaniker und wurde nun von Kardinal Christoph Schönborn zum Priester für die Erzdiözese Wien geweiht.
  • Zweifacher Experte: Thomas Tsach war Automechaniker und wurde nun von Kardinal Christoph Schönborn zum Priester für die Erzdiözese Wien geweiht.
  • Foto: Franz Josef Rupprecht
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Der 37-jährige Sigleßer Thomas Tsach war Kfz-Mechaniker und wurde nun zum Priester für die Erzdiözese Wien geweiht. Der Burgenländer möchte ein bodenständiger Seelsorger werden. Im Notfall könnte er auch bei einer Autopanne behilflich sein.

Gerald Gossmann

Der Seelsorger Thomas Tsach muss gelegentlich auch Fachfragen anderer Art beantworten. Seine Schäfchen erwarten vom ehemaligen Kfz-Mechaniker immer noch eine einwandfreie Expertise, wenn es um ihr geliebtes Vehikel geht. Tsach selbst muss schmunzeln: „In den meisten Fällen versuche ich eine Werkstatt zu vermitteln“, betont er, „aber, wenn jemand einen Patschen hat, werde ich ihm schon helfen.“

Altar nachgebaut. Der Sigleßer hat einen langen Weg zwischen Berufung und Ausbildung hinter sich. Nach der Berufsschule hatte er als Kfz-Mechaniker gearbeitet, ehe ihn der damalige Bischof Paul Iby zu den Ordensmännern des Stift Heiligenkreuz vermittelte. Den Wunsch Priester zu werden, verpürte Tsach schon im Kindesalter. „Der Gedanke war damals schon da“, erzählt er. Als kleiner Bub habe er „einen Altar zu Hause nachgebaut“. Schon vor der Erstkommunion fragte er seinen Ortspfarrer Johannes Langer, ob er denn nicht schon ministrieren dürfe. Sein Elternhaus beschreibt er als wertkonservativ und in moralischen Fragen prägend, aber nicht als entscheidend für seinen heutigen Zugang zum Glauben. „Es wurde nicht vor dem Essen gebetet, um den Adventkranz herum wurden keine Bibelstellen gelesen.“ Der Besuch eines indischen Priesters aus der Partnerdiözese Kanjirapally ist ihm in Erinnerung geblieben. Tsach hat bei der heiligen Messe ministriert und der Pater, ein Thomas, habe ihn danach in seiner Rede hervorgehoben: Er freue sich über seinen Namensvetter und hoffe, dass er „vielleicht auch einmal Priester wird“, habe der indische Seelsorger gesagt. Thomas Tsach will die Worte nicht als Wink des Schicksals verstanden haben, aber er begann zu grübeln. Die Berufsschule, die Jugendzeit und seine Tätigkeit als Mechaniker ließen die Gedanken verfliegen, auch wenn sie „nie ganz weg waren“. Im Burgenland hätten ihn die Priester Erwin Schügerl, Martin Sack und Franz Kallinger in seinem Wunsch bestärkt, betont er. „Mir war klar, dass es ein anstrengender Weg wird, meiner Berufung nachzugehen. Ich musste die Studienberechtigungsprüfung absolvieren und ein langes Studium.“ Auch den Heiligenkreuzer Dechant Josef Kantusch erwähnt Tsach als wichtigen Wegbegleiter. „Er war Landwirt und Elektriker, ehe er Priester geworden ist. Wir beide sind einen ähnlichen Weg gegangen, das verbindet.“

Bodenständig. Der Burgenländer Tsach ging seiner Berufung beharrlich nach, absolvierte sein Studium und Pfarrpraktika. Weihbischof Stephan Turnovszky begleitete er als Zeremoniär und Chauffeur. „Man sammelt Erfahrung und Souveränität.“ Als Priester, sagt Tsach, wolle er „die Menschen auf ihren Lebenswegen begleiten“. Er möchte sich dabei „Zeit nehmen und mitleben, mit den mir Anvertrauten.“ Seine bodenständige Art, so glaubt er, komme bei den Menschen gut an: „Ich bin ein Durchschnitts-Mensch, damit kann man auch Herzen gewinnen.“ Tsach versuche „auf Leute zuzugehen und sich auf einfache Gespräche einzulassen“. Seinen ehemaligen Beruf des Mechanikers übt er heute nur noch als Hobby in seiner Freizeit aus. Dann repariert er mit Freunden ältere Autos, zum Beispiel der Marke Ford Cortina.

Ein Wunder. In seinem Umfeld hätte man unterschiedlich auf seine Berufung reagiert: „Manche waren überrascht, dass ich Priester werden will. Andere haben gesagt, dass sie das ohnehin schon immer geahnt haben.“ Für Thomas Tsach ist die Weihe zum Priester „beinahe ein Wunder. Das hätte ich anfangs gar nicht für möglich gehalten.“ Als Berufener, „der schwebt“, möchte er sich trotzdem nicht verstanden wissen. „Es würde nicht zu mir passen, meine bodenständige Art zu verlieren“, sagt er. Vergangenen Sonntag fand seine Primiz in der burgenländischen Heimt in Sigleß statt. Man kann davon ausgehen: Die ein oder andere Fachfrage zur idealen Reparatur von Autos hat sich wohl in den Gratulationsreigen gemischt.

Autor:

Redaktion martinus aus Burgenland | martinus

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