Tugenden der Friedfertigkeit | Teil 3
Verzeihen befreit
- Auch seelische Wunden brauchen Zeit zum Heilen. Je tiefer die Kränkung, desto mehr Fürsorge sollte man sich selbst angedeihen lassen.
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Wenn es um das Verzeihen geht, wird es schnell moralisch.
Man müsste doch, man sollte doch! Aber was, wenn man nicht kann?
Vor mir saß ein kleiner, sehr alter Mann. Seine Augen hatten etwas Strahlendes. Das verlor sich auch nicht, als er von den Schlägen und Demütigungen erzählte, die er in der Haft während des Krieges erleiden musste. Er kannte den Namen des größten Übeltäters auch sechzig Jahre später noch. Aber das Erlittene lag ihm nicht mehr wie Blei auf der Seele. Warum konnte er verzeihen, wollte ich von ihm wissen. „Weil es mir selbst geschadet hätte, es nicht zu tun“, antwortete er so einfach wie fast unglaublich. Und doch fasste er in diesem Satz zusammen, was auch die Psychologie bestätigt. Wer verzeihen kann, tut vor allem sich selbst etwas Gutes.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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